Der größte Irrtum ist der Tod
- 17 - ARON: Dieses kann man bezeichnen als "Spiegelbild eurer Gesellschaft". Der Tod wird als Tabuthema in der Gesellschaft behandelt. Der Tod wird als "dunkle Macht" und nicht als " helle Macht " dargestellt. Er wird als das absolute und endgültige Ableben des Bewußtseins hier auf Erden gekennzeichnet. Doch dieses ist falsch! Das wahre Leben beginnt erst mit dem Übergang in die irdischen Bereiche des Geistigen Reiches. Dieses Leben - was ihr hier Leben nennt - ist ein Leben auf Zeit, ein Leben, um euch zu bewähren und euren Weg zu finden. Es ist ein Prüfstein und nur ein Tropfen in einem Meer. Frage: Für die Menschen des Mittelalters gehörte ein allzu plötzlicher Tod zu den schlimmsten Vor- stellungen. Man lebte in der bewußten Erwartung des Todes. Noch 200 Jahre später erhielten Kranke sog. Sterbebücher, um sich damit auf diesen wichtigen Moment vorzubereiten. Woher kommt die radikale Änderung in der Neuzeit? ARON: Die Neuzeit ist dadurch gekennzeichnet, daß ein Teil der Gesellschaft ihre Machtpositionen ausspielt. Das, was man unter Tod versteht, wird nur über den Intellekt dieser Seelen benannt. Dieses ist einhergegangen mit eurer Industrialisierung und mit der Veränderung eurer Werte, des Menschseins. Eure Gesellschaft hat sich nicht nur in der Familie verändert, sondern auch in eurem persönlichen Bereich. Früher wurden Sterbende begleitet und reich beschenkt für den Übergang ins Geistige Reich. Heute ist der Tod angstmachend und erdrückend. Denkt an die Naturvölker: der Tod bei den Indianern war ein Fest des Heimganges zu Manitu. Diese Seelen bekamen ihre wichtigsten privaten Dinge mit auf ihre Heimreise ins Geistige Reich. Frage: Noch in den fünfziger Jahren war das Sterben in Deutschland ein öffentliches Ereignis, zu dem sich ganze Dorfgemeinschaften um das Sterbebett versammelten. Heute gehen wir nicht mehr so natürlich und zwanglos damit um. Beerdigungen finden oft nur noch im engen Familienkreis statt. Woher kommt dieser Gesinnungswandel? ARON: Dieser Gesinnungswandel liegt darin begründet, daß früher eine Dorfgemeinschaft darin bestand, daß man sich kannte. Kontakte zwischen den einzelnen Dorfbewohnern waren ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Kennt ihr alle eure Nachbarn? Frage: Der Tod ist heute nicht mehr salonfähig. Niemand wacht bei dem Toten und nur wenige Kinder werden zu ihren sterbenden Großeltern geführt. Nur in ländlichen Gebieten ist es noch Sitte, öffentlich Trauer über den Tod naher Menschen zu zeigen. Warum? ARON: Die Ursache wird davon begleitet, daß Ängste vorherrschen und Beklemmungen, weil der Tod im Leben nicht besprochen wurde. Ein Abschiednehmen von dem Toten wird heute kaum noch in menschlicher Weise durchgeführt. Heute sterben Menschen, abgeschoben in irgendwelchen Krankenhausecken, ohne Begleitung und Gebete, um die Seele heimzuführen. Woher sollen die Menschen wissen, wenn dieses Thema nicht öffentlich bekanntgegeben wird, daß der Tod nichts Erschreckendes ist? Die Menschen von heute wissen nicht, was Tod in Wirklichkeit bedeutet. Die eigenen Ängste verhindern das Wachstum ihrer Seele und beeinflussen dadurch schon die Seelen ihrer Kinder! Frage: Was bringt denn eine Totenwache dem Sterbenden für Vorteile? ARON: Durch eine Totenwache und durch die gedankliche Verbindung zu dem Menschen, der hinüber- gleitet in ein anderes Existenzleben, kann eine Seele sich eher von ihrem physischen Körper und von ihrem irdischen Leben verabschieden. Dadurch, daß man positiv dieser Seele mit auf den Weg gibt: "Gehe hinüber, mache dir keine Sorgen. Gehe du deinen Weg. Wir müssen hier unseren Weg gehen", kann die Seele sich freier von der materiellen Ebene verabschieden. Frage: Viele Menschen sterben heute nicht mehr in ihrer vertrauten Umgebung, sondern anonym und allein im Krankenhaus. Werden wir dadurch um das Erlebnis des eigenen Todes betrogen?
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