Der Schöpfer
- 50 - Böses als Gutes. Hierin besteht der große Unterschied zwischen Erdenmenschen und anderen Sternenmenschen in meinem ganzen Universum. Aufgrund dieser Tatsache kann ich euch leider nicht die besten Räume in meinem großen Zuhause zur Verfügung stellen. * * * Ihr fordert mich heraus. Ich soll mich zeigen. Genügt es nicht, daß ich mich offenbare? Warum soll ich mich zeigen, da ihr meine ganze Schöpfung vor Augen habt? Es genügt euch doch sonst, die größten Errungenschaften der Technik zu bewundern und zu akzeptieren, ohne den Erfinder oder Produzenten sehen zu müssen. Wer mich in der Schöpfung nicht findet, der wird mich auch nicht erkennen, wenn ich mitten unter euch weilen würde. Um mich zu beweisen, müßte ich große Wunder vollbringen. Ich aber sage euch: Ich tat alle großen Wunder und ich tue sie zu jeder Sekunde. Allein, es genügt euch nicht! Selbst wenn ich überdimensional am Himmel als Person erscheinen würde, ihr würdet mich nicht erkennen, sondern erklären: Die Wissenschaft steht vor einem Rätsel. Darum muß die Saat erst reifen, ehe sie geerntet werden kann. Ich habe die Arbeiter aufgerufen und sie gebeten, sich bereitzuhalten. * * * Auch eine Mikrobe ist ein Lebewesen und gehört mit zur großen Schöpfung. Ich habe ihr das Leben von meinem eigenen Leben gegeben, denn Leben kommt vom Leben. Die Mikrobe müht sich ab und will einen Menschen begreifen. Allein, es ist ihr unmöglich und so wird es auch in allen Zeiten blei- ben. Aber die Mikrobe weiß sich keinen anderen Rat, als sich selbst einzugestehen: Es gibt keine Menschen, denn deren Existenz ist unbegreiflich und unerforschlich. Es ist zwecklos, sich mit etwas zu befassen, das wegen seiner Unfaßbarkeit für die Mikrobe nicht existiert. Der Mensch müht sich ab und will mich begreifen . Allein, das ist ihm unmöglich. Was soll der Mensch nun tun? Soll er mich wegen der Unfaßbarkeit als nicht existent ablehnen? Der Mensch ist keine Mikrobe, sondern das höchstbegabteste Lebewesen im ganzen Universum innerhalb der Mate- rie. Über allen Tieren, über allen Pflanzen, über allen Meeren und Bergen hat der Mensch den höchsten Verstand und die einzigartige Begabung der Gedankenkombination. Doch der Mensch macht einen Fehler: Er kombiniert mitunter falsch, ganz besonders, wenn es sich um mich handelt. Im Vergleich zur gesamten Schöpfung ist der Mensch nur eine Mikrobe in einem ganzen Sonnen- system. Aber in ihm wohnt jene Kraft, die ihm die Macht gibt, alles zu durchdenken, alles zu erfassen, alles zu übersehen, alles zu regieren, alles zu erschaffen und alles zu vollenden. Es ist nicht die unfaßbare Größe, auf die es ankommt, sondern es kommt auf die Kraft an, die in einem Stäubchen wirkt. Ein berühmter Astronom und Mathematiker kam eines Tages auf den Gedanken, das ganze Weltall zu berechnen. Er setzte für alle unfaßbaren Größen und Entfernungen gewisse Zeichen und Symbole. Schließlich brachte er nach ungeheuren Gedächtnisanstrengungen eine Zeichnung zustande, die kein anderer lebender Mensch begreifen konnte, als er selbst. Doch was hatte er wirklich begriffen? Ihm fehlte jede Vorstellung von einer wirklichen Riesenentfernung, die seiner eigenen Erfahrung mit Hilfe seiner Sinnesorgane fehlte. Er konnte sich wohl ungefähr den Erdumfang vorstellen, weil er die Erde umreisen konnte, weil er wußte, was eine Meile ist, aber er wußte nicht, was ein Spiralnebel für eine Ausdehnung hat, weil er nie in einem Spiralnebel herumgereist war. Ein berühmter Philosoph und Lehrer kam eines Tages auf den Gedanken, mich zu erfassen. Er machte sich allerlei Vorstellungen von meiner Existenz, Größe, Macht und meiner Seele. Schließlich brachte er es nach ungeheuren Anstrengungen zustande, mich einfach zu verleugnen . Es gab nämlich keine Zeichen, noch eine Zahl oder ein Symbol, das er für mich hätte zu Papier bringen können. Habe ich euch nicht gewarnt? - Ihr sollt euch kein Bildnis von mir machen, noch ein Zeichen dafür setzen.
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