Die Bibel
- 10 - Die Bahá’í-Religion Die Geschichte der Bahá’í-Religion beginnt im Jahr 1844, als der Báb (das "Tor") (1819-1850) sich als Bote Gottes und Vorläufer eines noch bedeutenderen Gottesboten zu erkennen gab. Er lebte in Persien , wurde gefangengenommen, ausgepeitscht, eingekerkert und 1850 hingerichtet. Seine Anhä- nger wurden grausam verfolgt und zu Tausenden als "Ketzer" getötet. Bahá’u’lláh ("Herrlichkeit Gottes", 1817-1892) ist der Stifter des Bahá’í-Glaubens. Als mutiger Förderer des Báb wurde auch er verfolgt, eingekerkert und schließlich aus seiner Heimat verbannt. 40 Jahre lang verkündete er das Wort Gottes , während er als Gefangener von Ort zu Ort weiterver- bannt wurde bis nach ‘Akká im Heiligen Land, wo er 1892 starb. Die Grabstätten des Báb, Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás liegen in Haifa und ‘ Akká im Heiligen Land. Deshalb ist dort das Weltzentrum des Bahá’í-Glaubens und der Sitz seiner höchsten Verwaltungskörperschaft, dem "Universalen Haus der Gerechtigkeit". Viele Baháí aus aller Welt besuchen als Pilger ihre heiligen Stätten im Heiligen Land, um dort für sich und die Menschheit zu beten. Bahá’u’lláh rief die Men- schen zur Umkehr auf. Die geistlichen und die weltlichen Herrscher seiner Zeit lud er ein, die Wahr- heit seiner Botschaft zu prüfen, sich zu vereinigen, abzurüsten und den Weltfrieden zu errichten. Häuser der Andacht der Bahá’í sind Rundbauten mit neun Eingängen. Sie stehen allen Menschen offen. Unter ihrer Kuppel ist nur das Wort Gottes zu hören, wie es in allen Hochreligionen verkündet wurde. Keine Predigt und kein Ritual tritt hier neben das Wort Gottes . Heute gibt es solche Bahá’í- Häuser der Andacht in der Umgebung von Chicago, Panama-City, Kampala, Frankfurt am Main und Sydney. In Indien und West-Samoa sind zwei weitere Häuser der Andacht im Bau. Die Bahá’í-Religion ist eine eigenständige, weltweit verbreitete Religion. Ihre Anhänger, die Bahá’í, bieten ein buntes Bild: die meisten Völker und Rassen und alle sozialen Schichten sind in dieser Weltgemeinde vertreten. Im Mittelpunkt der Lehren stehen die Einheit Gottes , die Einheit der Religi- on, die Einheit der Menschheit. Die Lehre sagt, daß es nur einen Gott gibt, der die ganze Welt erschaf- fen hat. Kein Geschöpf, auch nicht der Mensch, kann Gottes Wesen und Wege begreifen. Die Bahá’í betrachten die Menschheit als organische Einheit. Sicherlich hat jeder Mensch andere Fähigkeiten, lebt unter anderen Bedingungen und geht durch seinen freien Willen seinen eigenen Weg. Aber jeder ist als Geschöpf Gottes liebens- und achtenswert. So sehen die Bahá’í die Einheit der Menschheit als Einheit in der Vielfalt, in der jeder ein Recht auf Menschenwürde und die Pflicht hat, im Interesse aller sein Leben sinnvoll zu gestalten. Alle Religionsstifter sind Boten Gottes , die den Menschen ihrer Zeit die göttliche Führung in dem jeweils notwendigen Maß übermitteln. Die Religionen bilden eine Kette fortschreitender Offenbarung, die immer wieder neue Glieder bekommt. Sie enthalten den gleichen Wahrheitskern, denn sie ent- springen alle der gleichen göttlichen Quelle . Sie unterscheiden sich nur in ihren orts- und zeitbeding- ten Geboten. Die Bahá’í-Gemeinden finanzieren ihre Arbeit ausschließlich mit freiwilligen Spenden ihrer Mitglieder. Die Bahá’í-Weltgemeinde ist bei den Vereinten Nationen als nichtstaatliche Organisation mit beraten- dem Status anerkannt. Sie arbeitet in vielen Bereichen, wie dem Wirtschafts- und Sozialrat und dem Weltkinderhilfswerk (UNICEF), mit. Die Bahá’í-Religion ähnelt stark dem Glauben der Katharer und hat das Ziel einer dauerhaften, friedlichen Zusammenarbeit aller Völker der Erde. Sie üben dies schon heute in ihren eigenen Reihen. Das Bahá’í-Schriftentum wird in aller Welt in über 700 Sprachen angeboten. Jeder ist eingeladen, die Botschaft kennenzulernen und selbst zu entscheiden, ob auch er in dieser Gemeinschaft mitarbeiten möchte. Die Bahá’í-Literatur zeigt den Weg und beschreibt das Ziel, das die Bahá’i´ haben: eine Welt, in der Liebe und Gerechtigkeit, Ordnung und Friede herrschen und eine Weltkultur als Grundlage für den geistigen Fortschritt und ein menschenwürdiges Dasein aller Erdenbewohner.
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