Die Bibel
- 126 - Über die Frömmigkeit (1) (Durchgabe aus dem Jahre 1963) Wohlan, das Wort "fromm" ist in Verruf geraten. Sofern ein Mensch fromm ist und das nach außen hin bekundet, wird er von seinen Mitmenschen nicht mehr für voll genommen . Man lächelt spöttisch über ihn und zählt ihn mindestens zu den harmlosen Verrückten, aber man traut ihm auch noch einen gefährlichen Wahnsinn zu. Wer ist jedoch im Unrecht? Sind es die Mitmenschen oder sind es die Frommen? Nach der Betrachtungsweise des Geistigen Reiches sind beide Parteien im Unrecht, sowohl die Frommen als auch die Nichtfrommen. Man kann tatsächlich beobachten, daß sich die Frommen unnatürlich benehmen . In vielen Fällen werden sie sogar fanatisch und verlieren damit völlig ihre Objektivität. Die Kirchenverantwortlichen haben sie fast alle eingebüßt. Sie sind es, die vor allen Dingen ihren "Schafen" das Unnatürliche vormachen und die gleiche Unnatürlichkeit von ihnen verlangen. Mit diesem unnatürlichen Gehabe und Getue will man Gott und das Geistige Reich beeindrucken. Ob es sich dabei um einen magischen Kult der unentwickelten Naturvölker handelt oder um das Gehabe der Christenheit oder des Islams oder der Buddhisten , das spielt dabei keine Rolle, denn sie alle sind den Motiven nach unnatürlich und somit weit von der wirklichen Religion entfernt. Es gibt im ganzen Universum nichts Natürlicheres als Gott und Sein Reich . Das Geistige Reich ist sogar noch "natürlicher" als das materielle Leben auf den vielen Sternen. Wenn jemand Gott und Sein Reich verehren möchte, so ist das normal und durchaus verständlich. Aber es kommt auf das "wie" an. Wenn man sich dabei normal benimmt und von Gott und Seinem Reich eine normale Vorstellung hat, ist das ganz in Ordnung. Ist die Vorstellung unnormal , so ist auch die ganze entsprechende Frömmig- keit unlogisch und widerwärtig . Gott und Sein Reich übt große Nachsicht in diesem Falle. Aber trotzdem kann der Fromme auf diese Weise nicht den geringsten Vorteil erreichen. Im Gegenteil - er fällt zurück! • Solange ein "Frommer" in allen Lastern und in allen Sünden lebt, wird seine gezeigte und geäußerte Frömmigkeit auf alle anderen nur abstoßend und lächerlich wirken. Was nützt es, wenn der Fromme alles tut, was gegen den Glauben gerichtet ist? Er raucht und trinkt , oder er haßt seine Mitmenschen und redet ihnen übel nach. Er ist rechthaberisch und mißgünstig . Man braucht nicht alles aufzuzählen - es ist wahrlich zu viel. Darum sagte Christus : "Du aber gehe in deine Kammer, wenn du betest, und schließe die Tür zu; dann bete zu deinem Vater , der im Verborgenen ist. Dein Vater , der auch das Verborgene sieht , wird es dir vergelten." (Matthäus 6. 6) Fast alle Menschen auf dieser Erde haben keine rechte Ahnung davon, daß ihre Gedanken vom Geistigen Reich aufgefangen, abgehört und bis auf die kleinste Silbe und Schwingung verstanden werden. Jeder Mensch kann in Gedanken beten und es nützt nichts, wenn er Worte und Sätze betet, aber gleichzeitig ganz anders dabei denkt und fühlt . Die wahre Frömmigkeit ist eine ganz intime Angele- genheit des Menschen, sie geht keinen Nachbarn etwas an. Die wahre Frömmigkeit ist etwas Heiliges , das man nicht zur Schau stellt, damit andere ihre Glossen darüber machen können. Auch in den Kirchen sollte die Frömmigkeit in der erhabenen Stille zum Ausdruck gebracht werden, wo der Mensch nichts hört und nichts sieht, sondern mit der brüderlichen Gemeinschaft in Gedanken auf Gott und Sein Reich ausgerichtet ist. Diese erhabene Stille , die in einem einzigen Gedanken ruht, ist die wahre Frömmigkeit, die niemanden stören kann.
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