Die Bibel

- 23 - Weizen und Unkraut Stellen wir der Bibel die Frage, worin eigentlich die Ursprünge für alle diese verhängnisvollen Meinungsverschiedenheiten begründet liegen? In einem christlichen Gemeindeblatt heißt es u. a.: " ...Wir glauben an die göttliche Inspiration der gesamten Heiligen Schrift, ihre Unfehlbarkeit und Autorität in allen Fragen der Lebensführung und des Glaubens." Der Verlag: "Verbreitung der Heiligen Schrift" , 35713 Eschenburg, hat eine kleine Broschüre mit dem Titel "Ein Brief für Dich" herausgegeben. In der 21. Auflage von 1987 heißt es auf Seite 31 u. a.: "Wer hat das Wort? ‘So spricht der Herr’. In keinem Buch der Welt stehen diese Worte, als nur in der Bibel, und da stehen sie viele hundertmal. Allein in dem kleinen Buche Maleachi lesen wir diesen Aus- druck 24 mal, davon 22 mal: ‘ ... spricht der Herr der Heerscharen.’ - Die Bibel behauptet also: Hier spricht Gott. Wenn das nicht wahr sein sollte, wäre die Bibel das unverschämteste Lügenbuch, das es gibt. Nun muß man sich entscheiden: Entweder ist die Bibel hundertprozentig wahr und von Gott, oder sie ist das allerschlechtetste und gottloseste Buch der Welt." Hier wird dem Leser eine pauschale Entscheidung abverlangt. Was sagt Christus zu solcher Schwarz- weißmalerei? Diese Frage wird von ihm - wie so oft - in Gleichnissen beantwortet: Matthäus 9 13. 24-26 und 37-39: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel. Auch in der Bibel sind "Weizen" und "Unkraut" weit verstreut gesät worden. Diese Tatsache wird leicht übersehen. Durch ein unmittelbares Gegenüberstellen, sozusagen im direkten AB-Vergleich, können aber "Weizen" und "Unkraut" leicht erkannt werden: 5. Mose (Deuteronomium) 6. 13: Den Herrn, deinen Gott sollst du fürchten ; ihm sollst du dienen, bei seinem Namen sollst du schwören. Matthäus 5. 34 und 37: (Christusworte) Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht ... Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. * * * 9 Das Evangelium nach Matthäus: Die Überschrift des ersten Evangeliums nennt einen Matthäus als Verfasser und will wohl auf den Zöllner von Kafarnaum verweisen, den Jesus in den Kreis der Zwölf berief. Nach alter kirchlicher Überlieferung soll Matthäus als erster ein Evangelium in hebräischer Sprache verfaßt haben. Es sind aber keine Texte von einem solchen hebräischen Evangelium erhalten. Das überlieferte Evangelium wurde in griechischer Sprache abgefaßt, und es benutzt das griechisch geschriebene Markusevangelium als Vorlage. Es schöpft außerdem aus einer anderen griechischen Vorla- ge, die auch Lukas verwertet hat, einer heute verlorengegangenen Sammlung von Worten Jesu. Daraus sind die Bergpre- digt, das Vaterunser und eine Reihe von Gleichnissen genommen, die sich bei Matthäus und Lukas, nicht aber bei Markus finden. Außerdem bietet Matthäus Überlieferungen, die weder bei Markus noch bei Lukas auftauchen. Das Evangelium setzt den Untergang Jerusalems (70 n. Chr.) voraus; es ist wohl um 80 n. Chr. verfaßt worden, und zwar vermutlich in Syrien. Seinem Inhalt ist zu entnehmen, daß es in einem Gebiet entstanden sein muß, in dem Christen und Juden zusam- menlebten. Als Verfasser nimmt man heute einen nicht näher bekannten judenchristlichen Lehrer an, der noch Schüler der Apostel war. Matthäus sammelte Überlieferungen über Jesus, vor allem Worte Jesu, und ordnete sie zeitlich und thematisch in den dreistufigen Aufbau ein, den auch das Markusevangelium bietet. Alle vier Evangelienbücher fanden Aufnahme in das Neue Testament. Sie bezeugen, jedes auf seine Weise, das Evangeli- um von Jesus Christus. Alle Schriften des Neuen Testaments wurden etwa zwischen 50 und 120 n. Chr. abgefaßt.

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