Die Bibel
- 36 - Falsche und echte Propheten Zu den geistig Toten und geistig Blinden gehören auch die vielen falschen Propheten und Medien. Wenn man manche Verse liest, fühlt man sich unwillkürlich in die heutige Zeit versetzt: Ezechiel (Hesekiel) 28 13. 3, 6: So spricht Gott, der Herr: Weh den törichten Propheten, die nur ihrem eigenen Geist folgen und nichts geschaut haben. Sie haben nichtige Visionen, verkünden falsche Orakel und sagen: Spruch des Herrn - obwohl der Herr sie nicht gesandt hat. Trotzdem warten sie darauf, daß er ihre Worte erfüllt. Micha 29 3. 11: Die Häupter dieser Stadt sprechen Recht und nehmen dafür Geschenke an , ihre Priester lehren gegen Bezahlung. Ihre Propheten weissagen für Geld , und doch berufen sie sich auf den Herrn und sagen: Ist nicht der Herr in unserer Mitte? Kein Unheil kann über uns kommen. Jeremia 5. 31: Die Propheten weissagen Lüge , und die Priester richten ihre Lehre nach ihnen aus ; mein Volk aber liebt es so. Jeremia 29. 8-9: Denn so spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Laßt euch nicht täuschen von den Propheten, die unter euch sind und von euren Wahrsagern . Hört nicht auf die Träume, die sie träumen. Denn Lüge ist das, was sie euch in meinem Namen weissagen, ich habe sie nicht gesandt - Spruch des Herrn. Jesaja 30. 9-10: Sie sind ein trotziges Volk, mißratene Söhne , Söhne, die auf die Weisungen des Herrn nicht hören. Sie sagen zu den Sehern: Seht nichts! und zu den Propheten: Erschaut für uns ja nicht, was wahr ist , sondern sagt, was uns schmeichelt , erschaut für uns das, was uns täuscht . Zephania 30 3. 4-5: Ihre Propheten sind freche Betrüger. Ihre Priester entweihen das Heilige und tun Gewalt dem Gesetz an. Aber der Herr tritt für das Recht ein in ihrer Mitte, er tut kein Unrecht. 28 Das Buch Ezechiel: Zusammen mit König Jojachin und vielen aus seinem Volk wurde Ezechiel, der einer priesterlichen Familie entstammte, 597 v. Chr. von Nerbukadnezzar in die Verbannung nach Babylonien geführt. Dort bei Tel-Abib, an einem Eufratkanal, wurde er von Gott zum Propheten berufen. Er wirkte unter den Verschleppten in Babylonien. Er war ein Visionär, wußte sich von Gottes Geist ergriffen, von seiner Hand gepackt, nach Jerusalem oder in die Ebene hinaus ent- rückt und wiederholt bis in merkwürdig erscheinende körperliche Zustände hinein von seinem Verkündigungsauftrag bean- sprucht. Da er manche seiner Worte mit Datum versehen hat und demnach selbst schriftlich festgehalten haben muß, ergibt sich für seine Wirksamkeit etwa der Zeitraum von 592-571 v. Chr. Die prophetische Botschaft des Buches hat eine große Spannweite: Jahwe, der Gott Israels, ist nicht an sein Land gebunden; er ist überall , er ist der Herr über alle Völker. 29 Das Buch Micha: In seiner jetzigen Gestalt hat das Buch Micha mit seinen sieben Kapiteln insofern einen durchsichtigen Aufbau, als zweimal auf Gerichtsankündigungen Heilsaussagen folgen. Nach heute vorherrschender Auffassung ist diese Gestalt des Buches erst das Ergebnis einer mit Einschüben und Zusätzen arbeitenden Redaktion. In der Bestimmung der echten Michatexte gehen die Meinungen allerdings auseinander. Da gegen Samaria gesprochen ist, hat Micha seine Tätig- keit vor dem Untergang Samarias im Jahr 722 v. Chr. begonnen. Der Prophet stammt aus Moreschet-Gat südwestlich von Jerusalem und gehört augenscheinlich zur dortigen Bauernschaft. Er klagt durchweg die Oberschicht von Jerusalem und Juda an wegen Rechtsbruchs und auch der Besitzgier. Den Prophe- ten und Priestern wirft er Bestechlichkeit vor. Die beklagten Zustände fordern das Gericht Gottes heraus. Dieses wird selbst den Tempel nicht verschonen. Aus der Kritik am Jerusalemer Königtum ist wohl der Rückgriff auf die Erwartung eines neuen "David aus Bethlehem" zu begreifen, die im Neuen Testament als in Jesus erfüllt verkündigt wird. 30 Das Buch Zefanja: Die Überschrift gibt als Zeit Zefanjas die Epoche des Königs Joschija (641-609 v. Chr.) an. In dessen frühe Regierungsjahre passen auch die als echt geltenden Texte. Während der langen Regierungszeit des Gott untreuen Manasse (699-643 v. Chr.) trat ein religiöser und sozialer Verfall im Südreich ein, der Gegenkräfte auf den Plan rief, die den jungen Joschija zu einem reformwilligen König zu machen vermochten (ab 627 oder 622 v. Chr.). Mit ihnen muß Zefanja um 630 v. Chr. als Prophet zusammengearbeitet haben. Von Zefanja ist nichts Weiteres bekannt. In seiner Grundforderung nach Gerechtigkeit und Demut stimmt Zefanja ebenfalls mit Amos und Jesaja überein; demgemäß verkündigt er das ideale Israel der Zukunft, den "heiligen Rest", als "demütiges und armes Volk, das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn".
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