Die Bibel
- 51 - Mit nicht zu überbietender Klarheit machte Paulus deutlich, wohin es führt, wenn der Buchstabe über den Geist der Wahrheit gestellt wird. In diesem Fall gehört man zu den "geistig Toten". Die Ansicht, daß die Bibel unfehlbar und absolute Autorität in allen Fragen der Lebensführung genießt, ist durch die Heilige Schrift selbst widerlegt worden. Man wiegt sich immer leicht in trügerischen Hoffnungen! Selbstbeschränkung im Denken und die Mißachtung späterer Neuoffenbarungen wurde von Jesus zu keiner Zeit gelehrt. Trotzdem beharren die großen Kirchen auf ihren selbstgestrickten Dogmen . Warum? - Was befürchtet man? - Wahrscheinlich die drohende Verantwortung. Doch die holt jeden ein, der sich gegen die angekündigten Neuoffenbarungen ausspricht. Bei Jeremia heißt es zu den Schriftgelehrten und Priestern: Jeremia 8. 8-9, 10: Wie könnt ihr sagen: Weise sind wir, und das Gesetz des Herrn ist bei uns? Ja! Aber der Lügengriffel der Schreiber hat es zur Lüge gemacht . Zuschanden werden die Weisen, sie stehen bestürzt da und werden gefangen. Sind sie doch alle, vom Kleinsten bis zum Größten, nur auf Gewinn aus ; vom Propheten bis zum Priester betrügen sie alle . Wie wichtig es ist, sich schon während des irdischen Lebens mit dem Tod und dem Leben danach zu beschäftigen, zeigen die folgenden Worte. Deutlich wird darauf hingewiesen, daß mit dem Reißen der " Silberschnur ", dem energetischen Band zwischen physischem Körper und geistigem Körper , das irdische Leben beendet ist. Wenig sinnvoll erscheint es daher, sich vom Buchstaben fesseln zu lassen: Kohelet (Prediger) 45 12. 1, 6-7, 12: Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren , ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht! Ja, ehe die silberne Schnur zerreißt , die goldene Schale bricht, der Krug an der Quelle zerschmettert wird, das Rad zerbrochen in die Grube fällt, der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, und der Atem zu Gott zurückkehrt , der ihn gegeben hat. Im übrigen, mein Sohn, laß dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und viel Studieren ermüdet den Leib . 1. Korinther 15. 35-39, 40, 42, 44: Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt , was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine andere. Auch die Lebewesen haben nicht alle die gleiche Gestalt. Auch gibt es Himmelskörper und irdische Körper. Die Schönheit der Himmelskörper ist anders als die der irdischen Körper . Was gesät wird, ist verweslich , was auferweckt wird, unverweslich. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen . 45 Das Buch Kohelet: Das Buch wurde um die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. geschrieben. Der Verfasser, der sich selbst Kohelet nennt, ist nicht bekannt. Palästina gehörte damals zum Ptolemäerreich. Es war die Zeit noch vor den hellenisti- schen Religionsverfolgungen und vor der nationalen Erhebung der Makkabäer. Die gebildete Oberschicht von Judäa war wohlhabend und weltoffen. Man versuchte, die Traditionen Israels mit der die Welt beherrschenden griechischen Bildung und Lebensform zu einer neuen Einheit zu verschmelzen. Das Buch lehnt sich nur noch teilweise an die poetische Gestalt der alten Lehrschriften an. Es enthält auch schon viele Merkmale der damals aufkommenden Predigt von Wanderphiloso- phen (Diatribe). Im modernen Denken wird man mit dem Buch Kohelet vor allem die Existenzphilosophie vergleichen können.
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