Die Bibel
- 7 - Die monotheistischen Religionen Das Judentum Die heilige Schrift des Judentums ist die hebräische Bibel . Diese unterscheidet sich vom christlichen Alten Testament, da hier einige Bücher hinzugefügt wurden, die nicht in Hebräisch vorliegen. Durch diese Ergänzung wird zwar in der Praxis die Lehrmeinung nicht verändert, aber: Das Judentum erkennt keine Offenbarung an, die zeitlich nach der seinen liegt. Das Judentum ist die erste Religion der Menschheit, die die Existenz eines einzigen Gottes lehrt (Monotheismus) und die älteste der drei Religionen, die auf Abraham zurückgehen - die beiden anderen sind das Christentum und der Islam . Im engeren Sinne ist das Judentum die Religion des Jüdischen Volkes nach der Zerstörung des ersten Tempels und dem ersten Babylonischen Exil im Jahre 587 v. Chr. Davor sollte man eher von "israeli- tischer Religion" sprechen. Das Judentum, dem heute rund 15 Millionen Menschen angehören, wurde zur Quelle des Christen- tums , zu dem sich heute über eine Milliarde Menschen bekennen und später auch des Islam , der 550 Millionen Anhänger hat. Die Juden als Gläubige einer Religion der "geschichtlichen Gottesoffenbarung" und der "Schriftbesit- zer" schreiben nach ihrer Zeitrechnung heute das Jahr 5741 seit Erschaffung der Welt, wie sie im Buch Moses in der Genesis geschildert wird. Sie glauben wie Christen und Moslems an eine Vergeltung der guten und der bösen Taten im Jenseits und an die Auferstehung von den Toten. Sie glauben an einen unsichtbaren, persönlichen und einzigen Gott , der den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat und der das Volk Israel unter allen Völkern auserwählte, damit es die Herrschaft Gottes bezeuge: Das Judentum ist eine Nationalreligion und nicht ohne weiteres auf Andersgläubige zu übertragen. Man wird als Jude geboren! Man kann es nicht einfach durch Bekehrung werden. Missionstätigkeit gibt es nicht. Die Juden glauben, daß eines Tages der "Messias" kommen und den Beginn des Gottesreiches auf Erden verkünden wird. Weil der Mensch äußerlich ein Ebenbild Gottes ist, soll er bestrebt sein, auch innerlich Gott nachzueifern, dessen höchste Eigenschaft "Gerechtigkeit" ist. Gerecht zu sein gegen jedermann, nicht das Eigentum des Nächsten zu begehren, keine Zinsen zu nehmen und sich der Armen zu erbarmen, vor allem aber Gottes Gebote und Verbote zu befolgen, das ist die größte Pflicht des orthodoxen Juden. Indem er sie streng befolgt, kann er die Seligkeit gewinnen. 613 Vorschriften - 248 Gebote und 365 Verbote - sind in der Thora , der Gesetzesrolle, enthalten, jenen fünf Büchern Mose , die auf Pergamentrollen geschrieben in der Bundeslade der Synagogen aufbewahrt werden: Worte Gottes , dessen Name der fromme Jude auszusprechen sich scheut und ihn daher stets mit anderen Vokabeln umschreibt. Das Judentum kennt keine Priesterkaste. Der Rabbi ist kein Pfarrer im christlichen Sinne. Er ist Verwalter der Synagoge, ist Lehrer und Richter in allen religiösen Fragen, dessen Rat der Gläubige in Zweifelsfällen der Schriftauslegung einholen muß. An solchen Zweifelsfällen ist kein Mangel. Denn fast das ganze Alltags- und Familienleben ist in strenge Gebote und Verbote eingebunden. Was man wann, wie und wo essen, welche Kleidung man tragen, wann man heiraten und sogar wann man Geschlechtsverkehr haben darf oder nicht: alles ist festgelegt. Man mag darüber lächeln. Man mag manche dieser uralten Ge- und Verbote heute für unsinnig halten. Gewiß ist dies: Die gemeinsame Pflicht, diese Regeln zu beachten, die strenge Disziplin des Glaubens, hat entscheidend dazu beigetra- gen, daß das zahlenmäßig kleine Volk Israel als einziges Volk des Altertums bis zum heutigen Tag überlebt hat. Verweht sind die Spuren der Hethiter und Phönizier , der Assyrer , Skythen und Philister . Geblieben ist, trotz der Verwüstungen im Mittelalter, trotz Auschwitz und trotz PLO, jenes Volk Israel, das vor nunmehr rund 3.200 Jahren seinen "Bund" mit dem allmächtigen Gott am Berg Sinai geschlossen hat.
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