Die große Begegnung

- 24 - Beginn der Belehrungen Man schrieb das Jahr 1952… Am 14. April stand mein 50-jähriger Geburtstag bevor. Es war gewissermaßen ein Geburtsjubiläum. Das Osterfest kam näher. Dieses heilige Fest kündigte sich bei uns schon in einer bisher nicht gekann- ten Weise an: Mein Sohn zeichnete in seiner medialen, automatischen Weise , ohne zu wissen, was daraus werden sollte, Ostereier mit Schleifen und viele Osterblumen. Es war besonders auffällig, daß diese Zeichnungen im ersten Stadium immer ein Geschnörkel darstellten, das dann zum Schluß durch eine geniale Linienführung zu einem Bild vereinigt wurde. Auf schriftliche Weise wurde ich aufgefordert, wiederholt in die Kirche zu gehen, diesmal in die katholische Kirche. Es wurden auch die Zeiten genau vorgeschrieben, und jedesmal handelte es sich um einen größeren Gottesdienst, der mit der angegebenen Zeit genau übereinstimmte. An einem Nachmittag saß ich allein auf der Couch… Plötzlich kam wieder der Weihrauchgeruch . Meine Hand spürte einen elektrischen Strom . Sie wurde hochgezogen und schrieb: "Kannst du mir jetzt sagen, was du dir unter Gott vorstellst?" Das war eine schwere Frage, über die Theologen und Philosophen vergeblich nachgedacht haben. Der Engel Judith hatte mir doch bereits eine Erklärung gegeben. Doch ich wollte mich nicht blamieren und suchte fieberhaft nach einer Erklärung. Dann antwortete ich halblaut vor mich hin: " Gott war von Ewigkeit an ein heißer Wunsch, etwas Gutes hervorzubringen, auch wenn es am Anfang klein und kaum wahrnehmbar sein würde. Gott hatte aber den ungeheuren und seit ewigen Zeiten gehegten Willen, wirklich und wahrhaftig nicht nur zu wollen, sondern auch unter den größten Anstrengungen und mit Hilfe einer unendlichen Geduld und Zeit wahrhaftig etwas zu schaffen. Er brachte es durch Seine, mit keinem menschli- chen Verstand zu erfassende Willensanstrengung dazu, im ewigen Nichts, dessen Zustand Er selbst war , einen kleinen Anstoß zu geben. In diesem Augenblick schuf Gott durch Seinen Geist zum ersten Mal wirklich etwas. Und von diesem Augenblick an, gewann der Allmächtige selbst eine unvorstellbare Riesenkraft , die sich von Trillionen zu Trillionen Jahren immer mehr verstärkte und zu einer unvorstellbaren Energie anwuchs - und Er baute das Weltall. Gott schuf durch die Vielzahl Seiner elementaren Schwingungen das Unsichtbare und dann das Sichtbare. Über allem steht aber Seine große Liebe zum Werk in jeder Form. Seine Liebe , nur Gutes zu schaffen, es vollkommen zu machen, sich an Seinem Werk zu freuen und es grenzenlos zu lieben. Und alles wieder aus grenzenloser Liebe zu verschen- ken -, und so fort und so fort bis in alle Ewigkeit." Als ich mit dieser Gedankenverrenkung zu Ende war, überkam mich ein unheimliches, mit keinem Wort zu beschreibendes Grauen. Ich fühlte mich dem Schöpfer irgendwie sehr nahe, so nahe, daß ich fürchtete, es könne nicht mehr gut ausgehen, wenn man naseweis dem Allmächtigen in Seine Karten sehen will. Ich erwartete ein vernichtendes Urteil. Aber nichts dergleichen geschah. Dafür aber etwas anderes… Draußen hatte sich die Welt verändert. Trotz der noch frühen Jahreszeit hatte sich ein schweres Unwetter zusammengezogen. Es war fast dunkel im Raum. Im Zimmer stand ein bläulicher Nebel , wie in einer katholischen Kirche. Sicher war dieser Nebel nicht da, aber ich konnte ihn dennoch mit unbeschreiblicher Deutlichkeit sehen und riechen: Es war herrlichster Weihrauch! Die stärkste Vision, die ich bis jetzt erlebt hatte! Draußen zuckten grelle Blitze und der folgende Donner wartete mit gewaltigen Kanonaden auf... Fast alle Bibelpropheten sagten: "Ich sah..." oder: "Ich hob meine Augen auf..." oder: "Ich hatte ein Gesicht ..." Auch dieser Weihrauch mußte ein Gesicht sein, ein Gesicht , das viel deutlicher, viel konkreter war, als wir es auf natürlichem, d. h. materiellem Wege wahrnehmen.

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