Die große Begegnung

- 26 - Die Macht des Geistes Am Abend, als ich im Bett lag, kam Ikarus zu mir, hauchte mir einen eigenartigen Schauer über den Rücken und verrenkte meinen Körper so stark, daß ich sofort einen Wadenkrampf in beiden Beinen bekam. Ich war zu Tode erschrocken, welche Macht dieser Geist über meinen Körper hatte. Auch die Bibel berichtet, daß die Propheten zu Boden geworfen wurden. Ich kann es gut verstehen. Ikarus kam mit einer neuen Botschaft: "Du mußt morgen unbedingt in die Lindenkirche gehen, denn dort sind die Konfirmanden zum Abendmahl versammelt. Das Außergewöhnliche ist, daß Christus selbst in dieser Kirche sein wird." Das war das erste Mal, daß von Christus in Person die Rede war. Nicht als Gruß, sondern klar gesagt: Christus wird persönlich , d. h. selbstverständlich als Geist in dieser Kirche sein. Der folgende Tag war der Gründonnerstag . An diesem Tage suchte ich den Pfarrer der Kirche auf und erzählte ihm in knappen Worten, was ich erlebt hatte. Es war ein Wunder, daß er mir überhaupt zuhörte. Trotzdem sah ich seine große Ungeduld, und es fehlte nicht viel dazu, um mich hinauszuwer- fen. Er machte aus seinen Gedanken auch keinen Hehl, sondern verabschiedete sich mit den Worten: "Es tut mir leid, aber an ihre Geister kann ich beim besten Willen nicht glauben." Das war "sehr ermutigend" für mich! Der Seelsorger, der von der Unsterblichkeit predigt, glaubt selbst nicht an das Jenseits , noch an das Übergreifen auf unsere Daseinssphäre. Als ich am Gründonnerstag darüber nachdachte, machte ich eine seltsame Feststellung: Ich beherrsch- te meine Gedanken nicht mehr in der üblichen Weise. Vielleicht kam nun doch eine Schizophrenie auf, die sich vorerst in den Tiefen meines Bewußtseins festgesetzt hatte? Eigenartigerweise hörte ich in Gedanken immer wieder die Worte: "Gottes Segen bei Kohn."… Es geschah, daß ich zehnmal hintereinander diesen Unsinn hörte, obwohl es eher ein Denken als ein Hören war. Es war richtiger gesagt ein regelrechter Gedankenzwang , den ich keinesfalls unterdrücken konnte. Schließlich gesellten sich noch andere Worte hinzu, die ich infolge ihrer Gemeinheit hier nicht wiedergeben kann. Jetzt war ich aufs heftigste bestürzt, doch ich wagte niemandem etwas von dieser gefährlichen Erkran- kung zu sagen. Immer wieder kämpfte ich gegen diese Besessenheit an, aber es war schier unmöglich, darüber Herr zu werden. Es blieb nichts anderes übrig, als unausgesetzt zu denken , denn jede Gedan- kenpause brachte neues Unheil über meinen Geist. Dieses Stadium hat Karl May auch sehr gut beschrieben, es deckt sich haargenau mit meinem eigenen. Da dieses Gedankenphänomen am Gründonnerstag einsetzte, so kam ich nicht umhin, es biblisch zu untersuchen. Nun fiel mir eine gewisse Stelle im Neuen Testament auf: Christus bat seine Jünger in jener Nacht zu wachen und zu beten, damit sie nicht in Anfechtung fallen sollten. Hier erkannte ich sogleich einen wertvollen Hinweis, denn es gab für mich auch tatsächlich keine andere Möglichkeit, als unausgesetzt zu wachen und zu beten , da ich sonst fortwährend in eine Anfeindung verfiel. So ähnlich muß es damals den Jüngern ergangen sein, denn die Hölle war auf sie losgelassen.

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