Die große Begegnung

- 31 - klang unversöhnlich . Nach meiner eigenen Vorstellung mußte Gott milde, barmherzig, gütig und nachsichtig sein. Das alles traf aber auf diese Stimme nicht zu - und ich begann an der Echtheit dieser "Gottesstimme" zu zweifeln. Da rief mich diese gewaltige Stimme noch einmal an und sagte: "Wenn du an deinem Schöpfer zweifelst, so will ich dir zeigen, wer ich wirklich bin , denn ich gebiete über Tod und Leben und ich nehme dich mit einer Handbewegung von dieser Erde. - Komm mit!" Im selben Augenblick, d. h. im Bruchteil einer Sekunde packte mich eine entsetzliche Todespein: Jeder Tropfen Blut strömte irgendwo zu einem Punkt - eine Angina Pectoris ohne Gleichen. Ich wankte, drehte mich halb um meine eigene Achse und sank zu Boden. Ich hörte noch, wie alle auf- schrieen und meine Frau in die Worte ausbrach: "Um Gottes Willen, was passiert!? Du wirst ja ganz grün im Gesicht!" Nach diesen Worten und nach dieser Todesnähe erholte ich mich wieder, doch meine Glieder schlotterten mir am ganzen Leibe und meine Zähne schlugen wie im Schüttelfrost zusammen. "Lege dich ins Bett und beruhige dich," sagte die "Engelstimme" zu mir. "Hatte ich dich nicht gewarnt? Wir werden dich magnetisieren, damit du wieder zu Kräften kommst, denn Gott läßt sich nicht spotten!" Ich tröstete mich mit der Überlegung, daß es ja nicht immer Gott selbst sein muß, der in solchen Fällen in Aktion tritt. Gott kann auch sicher von einem Erzengel vertreten werden, der das Recht hat, in Seinem Namen zu sprechen und zu handeln. Ein solcher Erzengel wird schon eine solche Macht zur Verfügung haben, wie ich sie so furchtbar kennengelernt hatte. Um ganz sicher zu gehen, ermahnte ich mich und versuchte nun selbst durch einen medialschriftlichen Kontakt Klarheit zu bekommen. Der magnetische Zug in meiner Hand war ungewöhnlich stark, und ich schrieb ein ganzes Rezept von Verhaltensmaßregeln auf: So sollte meine Tochter mit ihrem Haar den Schweiß von meiner Brust trocknen, wenn der Todesschweiß austrat… Meine Kinder sollten mich symbolisch bespucken und schlagen… Es war ein regelrechtes Passionsspiel , das von uns allen verlangt wurde… Ich war müde und versuchte zu schlafen. Aber ich wurde alle Augenblicke durch geistigen Anruf und durch einen heftigen Ruck des Körpers geweckt. Immer wieder gab die Stimme mir neue Anweisungen: "Wache und bete!" "Sage: Lasse diesen Kelch an mir vorübergehen." "Wecke deinen Sohn auf, denn er soll wachen und beten." "Wecke deine Frau auf, sie soll wachen und beten." "Wecke deine Tochter auf, sie soll auch wachen und beten." Das ging so die ganze Nacht ohne Unterlaß… Mitten in der Nacht rief mich die Stimme an: "Stehe auf und klopfe an die Tür deines Untermieters und sage ihm, er soll auch wachen und beten!" Jetzt wurde es mir unheimlich. Ich hatte zwei Zimmer meiner Wohnung an ein Ehepaar mittleren Alters vermietet, und ich konnte mir gut vorstellen, was ich zu erwarten hatte, wenn ich mitten in der Nacht mit einem derartigen Anliegen an meinen Untermieter herantreten würde. Er mußte mich unweigerlich für total verrückt halten. Wenn der Leser bis zu diesem Punkt noch einige Zweifel an meiner Hellhörverbindung gehabt hat, so möge er jetzt mit gesundem Verstand überlegen, was diese Stimme von mir gefordert hatte. Ich selbst hatte Verstand genug, das Unmögliche meiner Situation zu erkennen, und ich weigerte mich, mit allen

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