Die große Begegnung
- 33 - Schreckliche Besessenheit Sofort nach meinem Erwachen kam die Stimme und sprach zu mir. Diesmal schien es aber kein Engel zu sein, denn die folgenden Ereignisse hatten nichts mehr mit Passion oder Symbolik zu tun; sie waren eine Fopperei ohne Gleichen. Ich muß daher den Verdacht aussprechen, daß man mich zu Handlungen verleiten wollte , die mich ins Irrenhaus bringen sollten. Es war der Zustand einer regelrechten Beses- senheit . - Eine Stimme sagte zu mir: "Pass auf! - Heute wird Gott ein großes Wunder geschehen lassen. Wir sind seine Engel und du weißt, daß wir sehr starken Einfluß auf die Materie ausüben können. Du hast bereits gesehen, daß wir sehr schwere Gegenstände mühelos in die Luft heben können, wenn die Voraussetzungen dafür günstig sind. Nun, die Voraussetzungen sind so günstig, wie noch nie. Der große Kleiderschrank, welcher hier im Zimmer steht, wird mit einem gewaltigen Knall auseinanderfliegen. Es wird ein Phänomen ohnegleichen sein und du wirst mit dieser Tatsache auch berühmt." Diese Ankündigung erschien mir zuerst sehr lächerlich; aber als ich darüber nachdachte, fiel mir ein, daß die Unsichtbaren schon manches Mal einen erheblichen Spuk verübt hatten: daß sie das Mobiliar hin und her gerüttelt und geschoben haben, daß uns Hören und Sehen verging. Wie nun, wenn konzentrierte , okkulte Kräfte und Mächte tatsächlich einen neuen Spuk aufführen wollten, um ihre Existenz ganz eindeutig zu beweisen? Ich hatte schon viele Wunder erlebt, so daß ich nicht ganz zu zweifeln wagte. Später habe ich aller- dings eingesehen , daß ich besessen war und daß man mich ganz schön auf den Leim führen wollte, aber nicht ohne eine bestimmte Absicht, nämlich meine Verbindung zu höheren Geistern zu stören und wenn möglich ganz außer Kraft zu setzen. Die Stimme trieb mich zur Eile an: "Du hast nicht mehr viel Zeit zum handeln. Hebe den Spiegel aus dem Schrank und bringe alle deine Sachen in Sicherheit, sonst geht alles verloren!" Ich stürzte aus dem Bett und arbeitete fieberhaft. Ich tat alles, was man von mir verlangte, denn man hatte mich in der vergangenen Nacht schon weich gemacht. Ich kapitulierte vor den höheren Mächten . Ich war besessen, vom Teufel besessen -, und war dumm genug, es nicht zu wissen. Wo war mein Schutzengel , der diesen dämonischen Überfall auf mich zuließ? Die Stimme warnte mich: "Sorge dafür, daß niemand in der Wohnung bleibt, denn kein Leben ist in dieser Wohnung sicher. Nimm deine Steppdecke und wickle dich ganz fest darin ein. Achte aber darauf, daß dein Kopf gut geschützt ist. Am besten, du legst dich in der Küche auf den Fußboden und schützt vor allem dein Trommelfell. Vorher aber öffne alle Fenster, denn sie gehen sonst entzwei. Du mußt in der Wohnung bleiben, weil wir deine hohe Medialität dazu gebrauchen." Mein Untermieter war zu dieser Zeit gerade in der Badewanne. Ich jagte ihn mit allen Beschwörungen aus dem Bad. Dann hatten endlich alle Personen auf mein Drängen hin die Wohnung verlassen. Sie hielten sich auf der Straße auf und warteten mißtrauisch auf das große Wunder, das ich ihnen prophe- zeit hatte... Meine Ankündigungen waren ein Musterbeispiel falscher Prophetie , ein Glanzstück dämonischer Inspiration . Eine Besessenheit , die man glatt mit religiösem Wahn bezeichnen kann. Und doch war eine unendliche Wahrheit darin enthalten, denn es war ein echter Jenseitsanschluß, eine echte Hellhörigkeit, mit allen guten und schlechten Seiten. Ein sehr gefährlicher Anschluß. - Lebens- gefährlich!
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3