Die große Begegnung

- 34 - Ich lag auf dem Fußboden, fest in die Steppdecke eingewickelt, hielt mir krampfhaft die Ohren zu und wartete auf den Donner, der jeden Augenblick eintreten mußte... Plötzlich hatte ich eine sehr starke Vision: Ich sah mit meinen geistigen Augen ein farbenprächtiges Unwetter von grausiger Schönheit, wie es sich ein Mensch nur schwer vorstellen kann. Es war, als wenn der Jüngste Tag angebrochen war, denn feurige Blitze in allen Regenbogenfarben umtobten mich, aber es war ein vollkommen lautloses Unwetter, nicht der leiseste Laut war zu hören. Trotzdem hatte ich das unheimliche Gefühl, daß die Welt in einem Atomfeuerwerk zugrunde ging. Nach einiger Zeit kam mir zum Bewußtsein, daß irgendetwas nicht stimmte. Der angekündigte Donner blieb aus, und das große Wunder trat nicht ein. Ich spürte mit tiefer Beschämung , daß ich der Genarrte war. Ich hätte mein Leben für dieses Wunder gegeben! Eine Sekunde lang packte mich eine entsetzli- che Verzweiflung, daß man mich so zum Narren gemacht hatte, aber sofort hatte ich mich wieder in der Gewalt. Vielleicht sollte das eine Prüfung sein, die ich erst bestehen mußte. Wer weiß? Ich erhob mich sehr ernüchtert und stellte fest, daß ich mit meinen Untermietern , wie auch mit meinen Angehörigen am Karfreitag einen blöden Scherz aufgeführt hatte, den ich niemals erklären konnte. Aber dann ermahnte ich mich, hob meine rechte Hand zum Schwur und leistete einen heiligen Eid, daß ich meinem Schöpfer die Treue bewahren wollte , ganz gleich, was auch in Zukunft mit mir geschehen würde… Vielleicht hatte ich die dämonischen Mächte mit dieser Haltung zunächst gebannt. Jedenfalls kam sofort die Stimme zurück und bat mich in ruhigem Ton, wieder ins Bett zu gehen und ruhig zu warten, es werde sich schon noch zum Guten wenden. Unzählige Male kam die Aufforderung: "Wasche dir symbolisch die Hände!" Diese symbolische Waschung wurde auch von meinen Angehörigen verlangt… Gegen Mittag kam die bekannte Stimme erneut und erzählte mir, es sei möglich, daß ich in der kom- menden Nacht eine Stigmatisierung durchzumachen hätte, man wüßte nur nicht genau, ob ich dazu geeignet sei, denn mein Gesamtorganismus sei sehr angegriffen. Außerdem sei ich herzkrank durch einen Coronaschaden . Ich fragte, ob es sehr schmerzhaft sei? Nein, ich würde nichts davon merken , lautete die Antwort. Allmählich wurde ich von einem furchtbaren Durst geplagt, meine Kehle war schmerzhaft trocken wie noch nie. Doch die Stimme warnte davor, etwas zu trinken, sondern befahl mir, die Lippen nur mit etwas Essig anfeuchten zu lassen. Gegen Nachmittag verfiel ich in einen sehr starken Schweißausbruch , so daß ich fortwährend stöhnte. Ich hatte meine Hände über der Brust gefaltet und verfiel in einen apathischen Zustand . Mein Sohn hatte mir das kleine Kruzifix in meine Hände geklemmt und man ließ mich in Ruhe, weil man nicht wußte, was man in diesem Fall zu tun hatte. Die Dunkelheit kam... Wenn diese vorangegangene Passion wirklich einen symbolischen Sinn haben sollte, dann sollte sie sicher ein Phänomen einleiten, das zu meiner Belehrung dienen sollte. Ich habe später viel darüber nachgedacht, um den Sinn zu ergründen. Theologisch gesehen scheint dieses Erlebnis doch von größerer Bedeutung zu sein als ich zuerst annahm. Wenn symbolisch mein Phänomen durch ein kleines Passionsspiel eingeleitet wurde, so muß auch die Fortsetzung dieser symbolisch, religiösen Handlung stärkstens beachtet werden, denn ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß hier etwas gezeigt wurde, das vielleicht als eine Ergänzung zur Apostelgeschichte gehört. Schon die ganze jenseitige Verbindung zeigte, daß auch die biblischen Phänomene nicht beendet sind , sondern hier und da auch heute noch ihre Fortsetzung finden.

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