Die große Begegnung

- 35 - Nachdem die Nacht hereingebrochen war und meine Angehörigen schliefen, meldete sich die über- sinnliche Stimme und sagte zu mir mit einer unbeschreiblichen Deutlichkeit: "Bitte lege dich auf den Rücken und fürchte dich nicht. So entsetzlich es sich auch anhö- ren mag, es wird noch zu ertragen sein: Du wirst in dieser Nacht sterben , doch du wirst wieder zu einem körperlichen Leben auf dieser Erde erwachen, denn Gott braucht dich noch für eine ganz bestimmte Aufgabe. Trotzdem wirst du fast allen Menschen auf dieser Erde etwas voraus haben, denn Gott wird dir die "Andere Welt" zeigen. in Wirklichkeit ist der Tod nicht so schlimm wie alle Menschen auf Erden annehmen. Doch dein Tod wird eine Ausnahme machen, denn du wirst geistig erleben, was Christus erlebt hat. Du wirst sterben, wie er gestorben ist." Nach dieser langen Anrede war mir sehr unheimlich zumute. Es war weit schlimmer, als wenn man eine schwere Operation ohne Narkose von mir verlangt hätte. Aber ich hatte nicht zu bestimmen, welche Prüfungen ich zu bestehen hatte, das besorgten andere Kräfte , ohne auf mich Rücksicht zu nehmen. Ich hatte mancherlei Bedenken gegen diesen angekündigten Tod. Ganz abgesehen vom bewußten Sterben selbst, hatte ich die Befürchtung, daß ich vielleicht nicht mehr zum irdischen Leben aufwachen würde: Wenn es nun kein zurück mehr gab? Vielleicht hatten meine Angehörigen zu wenig gebetet? Für mich war es ein realer, grauenhafter Ernst - eine Wirklichkeit ohne gleichen. Wie groß war eigentlich meine Liebe zum großen Schöpfer ? Ich hing an dieser materiellen Welt und an meinen Angehörigen. Wenn Gott also sprechen würde: Komm und bleibe bei mir, so würde ich wohl folgen, weil ich wußte, daß ich gegen Gott ohnmächtig bin. Aber ob ich diesem Ruf mit Freuden folgen würde, das erschien mir doch recht zweifelhaft. So groß war also meine Liebe zur Welt und so klein meine Liebe zum Schöpfer? Aber immerhin: Es war Gottes Welt, die ich liebte; und alle Men- schen dieser Welt waren meine Brüder und Schwestern. So versuchte ich mich zu trösten. Es war überhaupt meine Stärke, mich in allen Sachen immer gut herauszureden , möglichst so, daß meine Argumente den Anschein von absoluter Richtigkeit hatten. Ich glaubte indessen an wirkliche Wunder. Christus sollte doch Tote erweckt haben. Christus konnte also auch mich zum Leben erwecken, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Daß ich mich hierin nicht getäuscht hatte, das habe ich selbst erfahren. Gott hatte keine leeren Versprechungen gemacht, sondern tatsächlich Sein Wort gehalten. … Die Stimme meldete sich wieder und fragte mich ganz unvermittelt: "Warum glaubst du nicht wirklich an Christus?" Hier mußte ich die Feststellung machen, daß der Engel , der an meiner Seite stand, alle meine Zweifel mit angehört hatte, denn sonst hätte er diese Frage nicht gestellt. Es stimmte also, daß wir auf alle unsere Gedanken zu achten haben , denn sie werden ständig von Unsichtbaren abgehört , wie sie auch all unser Tun mit ansehen müssen. Gott erforscht uns auf Herz und Nieren. Ich antwortete also: "Ich glaube ja an Jesus Christus ! Warum behauptest du, daß ich nicht an ihn glaube?" "Erkläre mir bitte, wie du an Christus glaubst?" "Nun", sagte ich, " Christus war sicher ein sehr bedeutendes Medium. Er hatte starke Bindungen zur größeren Welt. Christus konnte hellhören . Er war ein Heilmagnetopath . Er konnte die Schwerkraft aufheben wie ein Yogi. Aber er hatte ein ungewöhnlich gutes Herz, das ihn mit Gott verband. Darum gründete er eine Religion, die wirklich gut ist, wenn sie befolgt wird, wie er es sich gedacht hatte." Der Engel antwortete sofort: "Du siehst, lieber Herbert, daß du doch nicht recht weißt, wer Christus war. Dein Glaube an ihn ist nicht ganz richtig. Ich will es dir darum erklären, denn es ist heute sehr wich- tig, daß du genau weißt, wer Jesus Christus in Wirklichkeit ist.

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