Die große Begegnung
- 38 - Die große Begegnung Ich war unvergleichlich leicht und frei . Alle Schwerkraft war von mir gewichen. Ich war ein leichter Dunst, ja, noch weniger als das, denn ich war nur Bewußtsein, nur Gedanke. Das war beileibe kein Traum, das war reale Wirklichkeit, die ich mit ungewöhnlich geschärften Sinnen wahrnehmen konnte. Diese Sinne müssen von diesem Augenblick an rein seelisch gearbeitet haben, sie waren auf jene körperlichen Organe nicht mehr angewiesen. Damit hatte sich aber meine gesamte Wahrnehmungs- möglichkeit und damit auch die Welt verändert. Nun hörte ich auch schon wieder meine übersinnliche Stimme , doch sie war noch klarer, noch deutli- cher zu verstehen und mit jeder Silbe, mit jedem Wort formten sich geistige Begriffe mit spielender Leichtigkeit… Ich gab mir große Mühe, den Sprecher zu sehen, aber es war unmöglich. Ich befand mich in einer äußersten Dunkelheit , in einer Finsternis, wie ich sie noch nie gekannt hatte. Mein seelisches Auge blieb noch ausgeschaltet … Die Stimme sprach mit ihrer ungewöhnlichen Deutlichkeit, obwohl sie nicht akustisch war: "Gib acht, denn du befindest dich außerhalb deines Körpers! Versuche dich mit der Tat- sache abzufinden, daß du jetzt im Astralreich bist, und du wirst jetzt eine sehr gefährliche Reise antreten, darum vergiß deine Gebete nicht. Ich werde es dir noch einmal vorspre- chen: 'Allmächtiger Gott und lieber Vater im Himmel, schicke bitte deine himmlischen Heerscharen aus und komme mir zu Hilfe, denn der Teufel will meine Seele haben.'" Ich hatte das Gefühl, als ob ich einen unendlichen Raum durchsausen müsse. Ein gewaltiger Sog zog mich unwiderstehlich nach irgendeiner Richtung hin, von der ich nicht sagen kann, ob es aufwärts oder abwärts ging… "Niedergefahren zur Hölle" heißt es im Neuen Testament. Demnach glaube ich behaupten zu können, daß meine Astralreise abwärts ging. Wenn dieser eigenartige Tod oder Zustand einen symbolischen Christus-Tod darstellen sollte, so befand ich mich sicher auf einer Reise in die Hölle. Doch für die Theologen stelle ich die Tatsache heraus: Was tat Christus in der Hölle? Vielleicht gibt mein unglaubliches Erlebnis diesen Theologen, die darüber nachdenken , eine klare Antwort. Bisher hat es nie eine Antwort auf diese Frage gegeben, ja, man hat darüber noch nicht einmal nachgedacht. Was sollte Christus überhaupt in der Hölle zu suchen gehabt haben? Christus , der den Teufel aus der Wüste wies: " Hebe dich hinweg, Satan!" Oder war meine Höllenfahrt eine reine Wirklichkeit, die nichts mit einer Symbolik des Messias zu tun hatte? Diese Entscheidung vermag ich selbst nicht zu treffen. "Niedergefahren zur Hölle..." Wo ist die Hölle? - Ich sauste durch ein pechschwarzes Nichts . Es war wie ein leichter Schwindel, der meinen Geist erfaßt hatte. Da rief mich die Stimme an. Sie hatte eine Deutlichkeit, so daß ich glaubte, ihre Entfernung abschätzen zu können. Nach meinem Gefühl mußte der Sprecher in einer Entfernung von zwei bis drei Metern vor mir stehen. Die Stimme rief: "Achtung, du wirst angegriffen! - Wehre dich mit aller Kraft!" Noch bevor ich recht begriffen hatte, was jetzt vorging, spürte ich einen heißen, unausstehlichen Gestank . Dieser entsetzliche Gestank war so penetrant, daß mir zum Brechen übel wurde. Ich wußte mir keinen anderen Rat, als verzweifelt zu beten… Nach kurzer Zeit ließ dieser Gestank nach. Ich glaubte schon, daß ich nun außer Gefahr sei und dankte Gott für die schnelle Hilfe. Da rief die Stimme schon wieder: "Du wirst angegriffen! - Bete!" Wieder betäubte mich ein erstickender Brandgeruch , als ob Lumpen in einer stinkigen Katakombe verbrannt wurden. Dieser Gestank war derartig penetrant und intensiv, daß ich meinen ganzen Willen zusammennehmen mußte, um überhaupt beten zu können. Es war kein Gebet mehr, sondern ein mühseliges Gestammel.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3