Die große Begegnung
- 39 - Ich bin mir vollkommen bewußt, daß diese Beschreibung von keinem vernünftigen Menschen geglaubt werden kann, und ich gestehe, daß ich sie auch keinem Menschen glauben würde, wenn ich nicht die persönliche Erfahrung hätte. Für dieses Erlebnis gibt es auch nur eine einzige zutreffende Bezeichnung, nämlich: "Phänomen" . Gleichzeitig stelle ich aber die Frage: Was verstehen wir unter dem Wort "Mystik" , und was ist eine Legende? - Woher stammen die Orientalischen Märche n und die vielen Sagen von Elfen und Zwer- gen ? Dieses außerordentliche Phänomen hat mir bewiesen, daß märchenhafte Dinge, so phantastisch sie auch sein mögen, dennoch möglich sind , nur, können sie nicht von jedem Menschen erlebt werden. Immerhin gebe ich mir die größte Mühe, so objektiv wie irgend möglich zu sein. Es war mein Fehler gewesen, daß ich an eine leibhaftige oder zumindest geistige Existenz des Teufels nicht geglaubt hatte . Nun sollte ich tatsächlich seine unheimliche Bekanntschaft machen. Das war kein Traum, keine Einbildung, sondern eine schaurige Wirklichkeit, obgleich ich sie nur geistig erlebt habe. Doch wer will diese höchst gefährliche Realität abstreiten? Ich kann nicht sagen, wie oft ich auf diese Weise angegriffen wurde, denn ich kam aus dem Beten nicht mehr hinaus. Die Angriffe erfolgten in immer kürzeren Abständen und immer heftiger. Schließ- lich stank es ganz ungeheuerlich nach Schwefelwasserstoff oder nach verfaulten Eiern. In manchen Fällen verließen mich meine geistigen Kräfte , und ich gewahrte, daß ich dem entsetzlichen Unheil unheimlich nahe kam, daß es mich zu erwürgen und zu verschlingen drohte… Plötzlich hörte jedoch meine Reise auf. Ich stand still… Nun hatte ich das Gefühl, daß ich im Mittel- punkt eines ungeheuren leeren Raumes stand, nichts mehr über mir oder unter meinen Füßen hatte. Ich hing gewissermaßen zwischen Himmel und Erde, völlig schwerelos in einer Finsternis, die das aller- äußerste Schwarz bedeutete. Da näherte sich die Stimme , von der ich annahm, daß sie einem Engel gehörte und sagte zu mir: "Jetzt sind wir angelangt. Du stehst dem Teufel gegenüber. Er steht dort drüben vor dir und schaut dich wütend an. Getraust du dich, ihm näher zu gehen?" Keinesfalls wollte ich feige sein, nachdem ich so oft in Gefahr war - und ich vertraute auf Gottes Hilfe wie bisher. Darum sagte ich: "Ja." "Nun, dann gehe ihm einen Schritt entgegen." So phantastisch und unglaubwürdig dies erscheinen mag, so war es doch ein dramatisches Spiel von beispielloser Realität. Eine grauenhafte, übersinnliche Auseinandersetzung , wie wir sie nur in der Bibel angedeutet finden. Doch wer an jenen alten Überlieferungen zweifelt, dem rufe ich hiermit zu, daß meine Erfahrungen derartige, große Begegnungen vollauf bestätigt haben. Ich hatte das Empfinden, dem gefährlichsten Raubtier gegenüber zu stehen, das je auf Erden gelebt hat. Eine einzige, verdächtige Bewegung konnte meinen restlosen Untergang, eine Katastrophe bedeuten. Der Leser mag berücksichtigen, daß es für diese Situation keine passenden Worte mehr gibt. Im Geist ging ich ihm einen Schritt entgegen. Die Stimme sagte zu mir: "Er ist dir auch einen Schritt entgegengegangen." Ich hatte keine Ahnung, welche Entfernung zwischen uns lag, denn ich hatte keine andere Orientie- rungsmöglichkeit als nur den Klang jener übersinnlichen Stimme . Trotzdem wurde ich für einen Augenblick wagemutig; ich überlegte, ob ich es wagen könnte, einen weiteren Schritt zu gehen, aber eine innere Warnung, ein Gefühl hielt mich von diesem ungeheuerlichen Leichtsinn zurück.
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