Die große Begegnung

- 42 - Im NEBELLAND Merkwürdigerweise hatte ich plötzlich das Gefühl, einen Körper zu besitzen . Ich erwachte mit meinem vollen Bewußtsein aus einem erinnerungslosen Tiefschlaf. Aber trotzdem kannte ich keine Schwer- kraft mehr. Da ich das Gefühl eines Körpers hatte, so kam ich nicht auf den Gedanken, daß mein materieller Körper irgendwo scheintot oder ähnlich entseelt im Bett lag. Diese Beziehung hatte ich vollkommen aufgegeben , sie existierte nicht mehr in meinem Bewußtsein. Von diesem Augenblick an, den ich hier beschreibe, handelte es sich nicht mehr um eine Person, wie sie auf Erden gelebt hat, sondern um einen geistigen Menschen , der mit einer ganz anderen Wahrneh- mungsmöglichkeit ausgestattet war. Alles war von jetzt an außerordentlich auf Gefühl eingestellt , so daß es eine Meisterleistung wäre, den jenseitigen Astralzustand auch nur annähernd mit Worten zu beschreiben. Ich muß daher weitgehend zu einer Bildersprache übergehen, da alle Jenseitigen in hohem Maße dieser bilderreichen Begriffsbildung befähigt sind. Sie können darum auch jeden anders- sprachigen Jenseitsmenschen verstehen. Ich will nun versuchen, mit Hilfe meiner Phantasie, dieses Bild vom jenseitigen Dasein zu beschreiben: • Zeit und Raum sind keine Begriffe mehr im transzendenten Leben . Darum besitzt die jenseitige Seele auch keine Zeit- oder Raumgefühle. Eine Stunde mag genauso viel gelten, wie Tage oder Wochen. Drei Tage tot sein, kann so viel bedeuten wie ein halbes Jahr und eine Sekunde kann zur Ewigkeit werden. Niemand vermag sich diese Zeitlosigkeit und Raumlosigkeit vorzustellen. Ungeheure Strecken können im Augenblick überwunden werden und ebenso vermag oft die größte Anstrengung nicht einen Meter zu überwinden. • Man stelle sich vor, daß über der Szene ein feiner Nebel liegt, der sowohl oben wie unten, ja nach allen Seiten hin eine unfaßbare Ausdehnung hat. Dieser Nebel ist aber kein feuchter Nebel, sondern eher wie ein feiner Dunst, wie ein zarter Rauchschleier. • Tatsächlich herrscht hier auch ein ganz eigenartiger Geruch vor. Es handelt sich um eine Sinneswahrnehmung, die sich mit keinem Geruch auf Erden vergleichen läßt, denn es ist eher wie eine Mischung von Säuren und Blumenduft mit feinem Rauchwerk. Dieser Geruch ist e- her ein merkwürdiges Gefühl, das aber durch die Nase erzeugt wird. Ich nenne ihn "Jenseits- geruch" oder "Sphärengeruch" . Der aufmerksame Leser wird hier schon begreifen, wie schwer derartige Jenseitsbeschreibungen sind, wie sehr alles auf Gefühl abgestimmt ist. Der Seltenheit meiner Erlebnisse entsprechend, will ich mich nicht vor der Aufgabe drücken, meinen Mitmenschen einen Eindruck von der Anderen Welt zu vermitteln, so gut es eben geht. In diesem Jenseitsdunst herrscht ein eigenartiges Schweben von dichteren Dunstschichten , die mehr oder minder einen matten Leuchtschimmer haben - so etwa, wie die matte Aura einer Lampe oder eher noch: als wenn das Vollmondlicht durch eine Wolke bricht, nur, daß es ein sehr unterschiedliches Leuchten ist. • In diesem Nebel herrschte aber gleichzeitig ein unverständliches Raunen menschlicher Stim- men , das ebenfalls fortlaufend Gefühle erzeugt, die mal sympathisch oder unsympathisch sind. Auch der Geruch bleibt nicht konstant , sondern wird bald stärker oder schwächer. • Das Eigenartige besteht darin, daß es keinen Anhaltspunkt für den eigenen Standort gibt, noch ein Ende nach irgendeiner Richtung zu vermuten ist. Der erste Augenblick in diesem Nebelland ist erschütternd, denn in meiner Unwissenheit hatte ich den Eindruck, daß es aus diesem endlosen Dunst kein Entkommen mehr gibt. Ich stellte mir deshalb die Frage, ob ich nicht doch die ewige Verdammnis auf mich genommen hatte? Ich konnte weder laufen, noch sonst irgendwie eine Bewegung ausführen , nur meine Sinne und meine Gedanken schienen noch

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