Die große Begegnung
- 43 - in Ordnung zu sein. Dann erinnerte ich mich an die Worte, die mein damals unsichtbarer Freund zu mir gesagt hatte: "... dann werde ich bei dir sein und dich mit Liebe empfangen, in deiner ersten Verlas- senheit und Dunkelheit deiner Seele. Ich werde dich aber an das "Große Licht" führen, damit du erkennst, warum Gott so vieles geschehen läßt, das ihr nicht begreifen könnt. Aber das ist alles nur zu seinem Nutzen." Ich strengte mein Sehvermögen an so sehr ich konnte, um meinen Freund irgendwo zu erspähen. Aber außer den schleierhaften Gebilden , die in einer ähnlichen Nebelmasse so eigenartige Bewegungen ausführten, nahm ich kein menschliches Wesen wahr. Die Nebelbewegungen waren so ähnlich, als ob eine milchige Farbe auf einer trüben Glasscheibe verläuft, aber immer wieder in sich zusammen- strömt. Heute weiß ich, daß es sich um einzelne Seelensysteme gehandelt hat. Plötzlich wurde ich besonders hell angestrahlt … Ich sah ein merkwürdiges Licht, d. h. ein Licht, das ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Trotzdem hatte ich eine dunkle Ahnung, daß ich eine ähnliche Lichtstrahlung schon vor vielen Jahren in einem Traum gesehen haben mußte. Diese Licht- erscheinung hatte etwas Tröstliches für mich. Sofort hatte ich das Gefühl, nicht mehr allein zu sein… Da formten sich meine Gedanken plötzlich mit außerordentlicher Kraft . Es war unmöglich, diese gewaltsame Gedankenarbeit zu unterdrücken, noch meine Gedanken auf etwas anderes zu konzentrie- ren. Trotzdem hatte ich die volle Fähigkeit, eigene Überlegungen blitzartig anzustellen. Ich erkannte sofort, daß meine Gedankentätigkeit viel intensiver war, als ich jemals dazu imstande gewesen bin. Es war ein Zustand äußerster Telepathie , verbunden mit einem starken Gefühlsleben und äußerster Aufmerksamkeit für jede Kleinigkeit. Meine eigene Gedankenstimme rief mir deutlich zu: "Ich bin dein Schutzgeist. Höre nur auf mich und auf keine andere Stimme. Wirst du sie erkennen, ich meine heraushören? Achte auf dein Gefühl! Es wird dir sagen, daß ich es bin." Ich war hilflos, wie ein neugeborenes Kind. Noch immer konnte ich mich nicht ganz von dem Gedan- ken freimachen, daß ich sehr stark halluzinierte. Was war das eigentlich, das "Halluzinieren"? War es ein Irresein? - War ich jetzt irrsinnig? Da erkannte ich allmählich die Umrisse der lichten Erscheinung . Der Fremde sah mich mit ernstem Gesichtsausdruck an. Es bewegten sich auch seine Lippen. Wenn er den Mund öffnete, sah ich sogar fehlerlose Zähne, doch sein Alter ließ sich unmöglich bestimmen. Der Fremde sagte zu mir, das heißt, ich verstand ihn auf jene telepathische Weise: "Ich weiß, wie schwer für dich der Anfang ist. Doch du sollst nicht für immer hier blei- ben, nicht einmal für längere Zeit. Du sollst nur schauen, wie die Andere Welt aussieht. Ich werde dir mit meiner Suggestion beistehen, denn hier kommt alles nur auf den Willen an." Ich versuchte zu sprechen und es gelang mir auch. Trotzdem konnte ich meine eigenen Worte nicht mehr hören, wie ich sie bisher gehört hatte. Sie hatten einen anderen Klang, einen inneren Klang: "Ist dies das Jenseits ?" "Ja, es ist ein Teil des Jenseits. Es ist die erste Stufe im neuen Leben. Von hier aus geht es aufwärts und abwärts - je nachdem. Viele aber brauchen sehr viel Zeit, um aus dieser Vorstufe überhaupt herauszukommen."
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