Die große Begegnung

- 45 - Bei dieser Antwort erschrak ich sehr. Wie konnte ich zu der Last, die Christus zu tragen hat, noch meine Sünden hinzutun? Wollte mein Schutzgeist mir eine geistige Falle stellen? Ich hielt es für unmöglich, darüber nachzudenken. "Sei bitte nicht eigensinnig. Du mußt deine Sünden abwerfen, und es gibt keine andere Möglichkeit, denn niemand will deine Sünden haben, um sich damit sein Dasein noch mehr zu erschweren." Mir wurde unheimlich… An solche Möglichkeiten hatte ich noch nie in meinem Leben gedacht. Mir wurde aber klar, daß ich meine Sünden nicht loswerden konnte, weil sie allein in meiner Erinnerung hafteten, und da ich jetzt ein sehr scharfes Denkvermögen besaß, so erinnerte ich mich in dieser Weise an jede Kleinigkeit … Ich überlegte fieberhaft, wie ich aus dieser belastenden Situation herauskommen konnte. "...und vergib uns unsere Sünden, wie wir vergeben unseren Schuldigern..." Kann man die Sünden nicht vergeben? Gott kann die Sünden vergeben! "Christus ist zugleich Stellvertreter Gottes. Er kann dir die Sünden nehmen. Indem er sie nimmt, sind sie dir vergeben. Aber es ist ein ehernes Gesetz im Weltall, daß das, was einmal geschehen ist, nicht mehr auszulöschen ist… Ich gebe dir meinen letzten wohlgemeinten Rat: Mache dir nach und nach jede einzelne deiner Sünden bewußt und bitte Christus jedesmal von ganzem Herzen, dir diese Sünde zu nehmen, indem er sie dir vergibt." Ich war ratlos und ich schämte mich, wie ich mich noch nie geschämt hatte. Es war mir so, als ob ich Christus mit dem allergemeinsten Kot bewerfen sollte. Gleichzeitig erkannte ich die ganze Ungeheu- erlichkeit, die darin bestand, daß alle Menschen an Christus das gleiche Verlangen stellten, und schlimmer noch, daß sie immer neue Sünden begehen , um diesen Unrat noch zu vermehren. Da ich mich so entsetzlich schämte, konnte ich dem Rat meines Begleiters nicht nachkommen. Ich stellte mir geistig vor, daß ich bei meiner Sündenübergabe an Christus die größte Gemeinheit meines ganzen Daseins begehen müßte. "Es tut mir sehr leid um dich, aber du bist leider sehr Eigensinnig und stolz. Mit diesen Eigenschaften kannst du hier nichts ausrichten. Du hörst noch nicht einmal auf meine Ratschläge." Inzwischen hatte ich schon festgestellt, daß ich Veritas nicht mehr erkennen konnte. Der Nebel um mich her nahm ständig zu , und es wurde gleichzeitig dunkel , wie bei einem heraufziehenden Gewitter. Ich hatte Angst... Noch einmal machte ich eine Gedankenanstrengung, um die Sache mit den Sünden klarzumachen: Nach Veritas Aussage konnte etwas Geschehenes nicht mehr aus dem Kosmos entfernt werden. Die Erinnerung war etwas, das auch nach dem Tode noch weiter existierte. Auf welche Weise sollte ich nun diese scheußliche Erinnerung loswerden? Selbst wenn Christus zu mir gesagt hätte: deine Sünden sind dir vergeben, so wäre damit nichts aus der Welt geschaffen. Es mußte also doch ein anderer großer und wichtiger Vorgang vonstatten gehen, um eine Sündenvergebung zu bewirken. Veritas hatte gesagt, daß Christus die Sünden auf sich nehmen muß, damit sie vergeben sind. Ich kam mit dieser schwerwiegenden Angelegenheit nicht klar... Je länger ich darüber nachdachte, um so dunkler wurde es um mich her. In meiner seelischen Not rief ich nach meinem Schutzgeist … Veritas war nicht mehr zu sehen, aber ich vernahm seine Stimme : "Fange mit deinen Sünden von rückwärts an und bete nach jeder Sünde. Bitte Gott jedes Mal um Verzeihung. Das wiederhole so lange, bis du bei deinen Kinderjahren angekom- men bist. Diese Kinderjahre interessieren nicht mehr so. Aber am Schluß bitte Christus, er möge dir deine Sünden nehmen. Wenn er sie auf sich nimmt, werden sie dir vergeben sein."

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