Die große Begegnung
- 48 - Im SOMMERLAND Dieses Sommerland zu beschreiben ist ganz unmöglich, es kann nur angedeutet werden… Zunächst schritten wir mit langsamen Gleitschritten durch ein tiefes, lichterfülltes Blau . Es war tatsächlich ein herrlicher blauer Himmel , der mit den herrlichsten Blumendüften angefüllt war. Es ist bemerkenswert, daß ich diesen würzigen Duft, der taufrisch in der Luft schwebte, in tiefen, angeneh- men Zügen durch meine Nase einatmete. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich in dieser "Luft" überhaupt ständig geatmet habe. In dieser klaren Sphäre , die wie ein klares blaues Glas leuchtete, konnte ich verschiedene Gestalten sehen. Diese Gestalten waren so bunt und deutlich, wie in einem Farbfilm, sie leuchteten in ihren bunten Farben, denn sie hatten zu meiner größten Überraschung tatsächlich bunte Kleider an, die sehr malerisch wirkten. Auch die Fleischfarbe ihrer Gesichter war sehr frisch und erinnerte mich sehr an die Make-up-Gesichter, die ich in amerikanischen Filmen gesehen hatte. Auch mein Schutzgeist Veritas war gut zu erkennen. Er machte den Eindruck eines Malers aus dem 16. Jahrhundert. Dies brachte mich auf den Gedanken, auf mich selbst zu achten. Ich sah an meinem eigenen Körper herunter, um festzustellen, welcher Art mein Körper und meine Bekleidung seien. Ich konnte jedoch nur ein milchiges Gebilde feststellen, das meinem Körper sehr ähnlich war, aber keine festen Umrisse zeigte, sondern wie ein Schleier ständig in einer wehenden Bewegung war. Im Gegensatz zu den anderen, farbenprächtigen Gestalten war ich völlig farblos . Veritas mußte meine Gedanken erfaßt haben, denn er erklärte mir sofort die Ursache: "Da du noch nicht ganz bei uns bist, lieber Aredos, fehlt dir noch ein sehr wichtiger Stoff zur eigentlichen Jenseitsmaterialisation. Dieser Stoff ist augenblicklich als ein sehr, sehr langer Faden auseinandergezogen, da er eine wichtige Verbindung aufrechterhalten muß. Du würdest erschrecken, wenn ich dir zeigen würde, wie lang dieser geistige - oder besser gesagt - halbmaterielle Stoff in die Länge gezogen ist und doch gehört er zu deinem Wesen." Neugierde war schon immer mein Laster gewesen… Ich fragte darum meinen Freund Veritas , ob es nicht möglich sei, mir diese Länge zu erklären? "Kümmere dich jetzt nicht um deinen Körper. Ich kann dir nur sagen, daß sich dieser Stoff über tausende von Kilometern verteilt." "Wo liegt das Sommerland? " "Noch sind wir nicht da, aber es liegt außerhalb der irdischen Anziehungskraft. Dieses Land ist frei von aller Erdgebundenheit. Doch da du mit einem Faden 5 erdgebunden blei- ben mußt, so wirst du dich nicht so frei fühlen können, wie wir alle es dort können. Doch wenn der elastische Faden reißt 6 , dann gibt es kein Zurück mehr." "Kann dieser Faden leicht reißen?" "Er kann nur durch Gefühle zum Reißen gebracht werden. Ein seelischer Schock zum Beispiel oder eine überwältigende Freude. Ganz bestimmt würde er aber reißen, wenn du das "Große Licht" sehen würdest." Wir hatten das blaue Licht durchschritten und näherten uns einem Land, das in der Ferne durch wunderbare, zartgefärbte Berge zu erkennen war. Diese Landschaft leuchtete in den schönsten Pastellfarben und trotzdem waren sie glasklar . 5 E NERGETISCHES B AND zur Energieversorgung des materiellen Körpers, auch "Silberschnur" genannt. 6 Gleichbedeutend mit dem irdischen "Tod".
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