Die große Begegnung
- 69 - ungewöhnlicher Stärke vorsprachen, ohne daß ich es verhindern konnte. So mußte es Mose ergangen sein, als er die Schöpfungsgeschichte aufschrieb. Wieder verspürte ich einen sehr starken Weihrauchgeruch … Aber ein merkwürdiges Gefühl der Unsicherheit , des Mißtrauens ließ mich diesen Geruch ganz genau unter die geistige Nase nehmen. Meine Seele prüfte diesen Geruch mit Hilfe der Erinnerung. Unzweifelhaft, es war Weihrauch, aber diesmal von einer anderen Sorte! Natürlich gibt es eine ganze Menge verschiedener Sorten, aber ich kannte nur eine Erinnerung, die mit meinem Phänomen zusammenhing, und zu dieser Erinnerung gehörte dieser Weihrauch nicht!... Nun kümmerte sich diese Stimme nicht um meine Zweifel, sondern sprach mit ruhigen Worten: "Mein lieber Herbert, sei bitte nicht am falschen Platze mißtrauisch und beleidige deinen guten Engel nicht. Also höre bitte weiter gut zu. Ja, schreibe alles gut auf, wie du es vorhin getan hast: Die großen Erfindungen, die ihr auf dieser Welt gemacht habt, haben einen gewaltigen Fortschritt auf dem Gebiete der Technik zur Folge gehabt. Mit Hilfe dieser Technik und Wissenschaft habt ihr die Gewalt in den Händen. Ihr könnt mit der Gewalt die Massen beherrschen und es ist ganz unerheblich, ob ein paar Millionen Menschen weniger auf dieser Erde leben. Da der Mensch geistig nicht sterben kann, da seine Seele unsterblich ist, so ist es völlig ohne Bedeutung, ob heute ein Paar Millionen Menschen durch eine Seuche hingerafft werden oder ob morgen ebenso viele Menschen durch die Technik getötet werden. Die Hauptsache ist in allen Fällen, daß der Fortschritt nicht aufgehalten wird und daß die Technik und Wissenschaft die Welt beherrschen." Ich hörte plötzlich einen tiefen Seufzer… Im selben Augenblick wußte ich instinktiv, daß ich schon wieder falsch verbunden war. Der Weihrauchgeruch war raffiniert gefälscht! Der Teufel mit seiner Organisation hatte ihn gefälscht. Er konnte, wie ich jetzt erst einsah, auch Wunder vollbringen, nur daß sie nicht ganz vollkommen waren. Von diesem Augenblick an hatte ich das Gefühl, daß mir Blumenduft und Weihrauch nichts mehr nützen. Nun gab es überhaupt keine Zuverlässigkeit mehr, denn ich hielt es für ausgeschlossen, in Zukunft die Nuancen auseinanderzuhalten… Es war zum wahnsinnig werden! - Ich wollte von diesem Augenblick an die ganze Inspiration aus- schalten. Ich kämpfte mit aller verfügbaren Energie dagegen an, doch es war unmöglich! Ich konnte die übersinnliche Verbindung nicht loswerden. Mein sogenannter Sechster Sinn war eingeschaltet , und ich wußte nicht, wie ich es anstellen mußte, um diesen Sinn auszuschalten . Mein Engel sprach... Ich wollte ihn nicht hören. Der Teufel sprach... Ich stemmte mich geistig dagegen. Ich ging auf einen Rummelplatz . Mitten in das größte Getöse der vielen Lautsprecher sprach die Innere Stimme unaufhörlich zu mir. Alles, alles vergeblich. Einmal stellte ich mich neben einen Kompressor , an den mehrere Preßlufthämmer angeschlossen waren. Doch das donnernde Getöse, das mein Trommelfell erschütterte, vermochte nicht den geistigen Inhalt meiner Gedankenstimme auszuschalten. Ich war verloren, weil ich besessen war. Besessenheit konnte nichts anderes sein, als die Unmöglichkeit, die übersinnliche Intelligenz auszu- schalten oder abzuwerfen.
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