Die große Begegnung

- 81 - und denkst immer nur an Dämonen und Geister. Aber da irrst du dich gewaltig, denn du bist mitten einbezogen in eine Auseinandersetzung zwischen Gott und dem Teufel. Darum hast du es mit keinem Vertreter des größten und wichtigsten Engels zu tun, sondern ausschließlich mit seiner Majestät selbst." Nun, unsaubere Seelen des Jenseits lügen gern . Doch wer will kontrollieren oder urteilen, ob sie gelogen haben? Mein Kampf stand allen Besessenheiten, die es je gegeben hat, in keiner Weise nach: Ich zählte nachts meine Herzschläge von eins bis tausend, und dann begann ich von neuem, nur, um nicht auf die entsetzliche Verhöhnung hinzuhören. Das steht nicht in der Heiligen Schrift und doch müssen es die Propheten erlebt haben. Vielleicht hat Martin Luther es einfach weggelassen? Ich versuchte mit allen Mitteln über diesen unheimlichen Spuk Herr zu werden. Ja, ich machte mich durch mein Gebaren lächerlich, denn ich versuchte jedes Zeichen, jede Beschwörung . Ich schlug mit der Hand Kreuze nach allen Himmelsrichtungen, zog magische Kreise um meinen Körper und sprach dabei unentwegt alle möglichen Gebete . Ich ging in die Kirche und betete mit aller Inbrunst. Zuweilen kühlte ich meine schweißgebadete Stirn an der kalten Kirchentür, wenn sie geschlossen war. Doch der Satan kam mit mir in die Kirche! Er scheute sich keineswegs, mit vor dem Altar zu knien... Der Höllenfürst ließ sich durch kein Gebet mehr einschüchtern. Doch seine Antworten waren nicht mehr so einfältig und stereotyp, wie ich es von den zuchtlosen Seelen kannte. Hier hatte ich es mit einer unglaublichen Intelligenz zu tun, die mir alles, aber auch alles sinnvoll widerlegte, was ich auch vorzubringen hatte. Ich halte Goethe für den größten Dichter, der je auf Erden gelebt hat. Seine Dichtung, sein "Faust" , ist eine Wahrheit in gelungenen Versen. Auf meiner Schädeldecke hatte sich ein reißender, brennender Schmerz eingestellt, der durch kein Mittel zu beeinflussen war. Mein Arzt, der von meiner Hellhörigkeit wußte und auch davon überzeugt war, meinte, daß ich durch die intensive Gedankentätigkeit und übermenschliche Konzentration zu viel Phosphor verbraucht hätte. Er verschrieb mir deshalb "Recresal" , ein starkes Gehirnbelebungsmit- tel. Ich glaube heute, daß der Arzt auch unter der Geistsuggestion des Satans gestanden hat, als er mir dieses Mittel verordnete… Kaum hatte ich die ersten Tabletten eingenommen, als mein Hirn wahre Meisterstücke an übersinnlicher Gedächtniskunst lieferte. Ohne Zweifel ist es ein gutes Mittel, doch nicht für einen Sechsten Sinn geeignet, noch für eine dauerhafte Geisttelepathie . Anmerkung: Man mache einmal den Versuch, dieses Mittel an ein Trance-Medium zu verabfolgen, vielleicht gibt es eine übersinnliche Sensation. Meine Hellhörigkeit raste mit höchster Tourenzahl. Alle meine noch bestehenden Hemmungen fielen weg. Der Eiserne Vorhang zum großen jenseitigen Schauspiel hob sich. Was dahinter lag war für mich, der ich mich im Wachtrance-Zustand befand, völlig frei. Es gibt verschiedene Rauschgifte, unter anderem Marihuana , Peyote , Haschisch oder Opium und viele andere, wie Mescalin usw. Alle diese Rauschgifte sind Gehirngifte , sind Seelengifte zugleich. Und darum ist es kein Wunder, wenn nach diesem Gebrauch die Seele mehr oder weniger etwas vom Astralen bemerkt . Doch mein "Recresal" hatte eine ähnliche Wirkung auf mich, ohne daß es ein Gift in diesem Sinne war. Alle meine Sinne waren überscharf , wie bei einem Wilden, wie bei einem Urmenschen. Schon meldete sich die erste Vision: Ich war im Geiste und sah mit meinen übersinnlichen Augen , die in die Vierte Dimension hinüberse- hen konnten, was um mich herum vorging. Ich lebte, was kaum glaublich erscheint: vierdimensional! Um diesen Zustand genauer zu beschreiben, muß ich an die prophetischen Ekstasen der biblischen Seher erinnern. Auch diese Menschen mußten zeitweise vierdimensional gelebt haben. Ich war körperlich und geistig vollkommen auf dieser Erde. Keine meiner organischen Wahrnehmungen war irgendwie eingeschränkt . Zugleich war ich aber mit der Anderen Welt völlig verbunden . Ich hätte ebensogut ein Geist sein können, nur, daß ich an meinen Körper gebunden war. Nun sah meine ganze

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