Die große Begegnung
- 91 - Was habt ihr aus Gottes Geboten gemacht? Ein Gesetzbuch mit hunderttausend Paragraphen. Dieses Gesetzbuch war notwendig, um genügend Gebote zur Hand zu haben, um die Gebote Gottes umgehen zu können. Doch Verbote schrecken euch nicht, denn ihr wähnt euch selbständig und frei, darum habt ihr die Engel des Herrn verkitscht und die Seelen der Abgeschiedenen verspottet. Ihr nennt sie "Gespenster" und malt sie in Karikaturen. Das aber ist euer Dank! an die unsichtba- ren Helfer. Gott zum Gruß!" Ich mußte gestehen, daß der große Unsichtbare , dem ich hier begegnet war, recht hatte. Ein Blick auf einen Kirchhof genügt, um die Tatsache festzustellen. Fast alle Grabinschriften lästern Gott denn es steht auf ihnen geschrieben: "Hier ruht" … der Geheimrat, der Regierungsrat, der Professor, der Oberpostrat, der Oberingenieur, der Obersekretär, der Oberst, der General und wie sich sonst alle bezeichnet haben und benannt wurden. Aber auf keinem Grabstein steht: • Hier ruhen die sterblichen Überreste eines guten, gottgläubigen Menschen. Seine Seele ist im Großen Reich emsig tätig. Sein unermüdlicher Fleiß begleitet ihn, wo immer er auch sei. Oder: • Hier ist ein armer, aber rechtschaffener Mensch begraben. Seine Seele arbeitet weiter für Gott. Aber ganz abgesehen von den guten Seelen , die für Gott arbeiten, gibt es eine Unmenge von Abge- schiedenen , die zwar einen hochtragenden Titel hatten, aber niemals "in Gott ruhen" , sondern weiter für die Organisation des Teufels tätig sind. Sie sind ruheloser als alle anderen. Je höher der irdische Titel, um so größer der Gedenkstein. Je goldener die Schrift, um so mehr haben ihn die Menschen gefürchtet. Doch es existiert kein einziger Fall, der die reine Wahrheit verkündet, wie etwa: • Dieser Mensch hat seinen Körper und sein Amt nebst seinem Titel abgelegt. Von nun an ist er verwandelt , denn alles dies nützt ihm gar nichts mehr. Doch es gibt etwas, das selbst einem "Toten" noch etwas, ja sehr viel nützt, nämlich eine aufrichtige, geläuterte Seele. Warum beten wir noch? - Wenn wir beten, dann freveln wir in unerhörter Weise, und wir wundern uns, warum wir nicht erhört werden. Warum klammern wir uns mit aller Sehnsucht an das Übersinnli- che und verlangen von Gott Hilfe in allen Situationen, die wir selbst verschuldet haben? Wir besitzen alle Mittel und Möglichkeiten uns selbst zu helfen , und es ist unsere eigene Nachlässigkeit und Unver- nunft, ja Böswilligkeit, wenn wir dazu nicht imstande sind. Wir müßten uns in Grund und Boden schämen, den Allmächtigen in dieser Weise mit unseren sinnlosen Gebeten zu belästigen. Wir fordern und fordern , das Unmögliche oder das Sinnloseste. Aber wir danken nicht , wo wir so viel erhalten und erleben, für das wir uns bedanken müßten , weil wir Gottes Gaben für selbstverständlich hinnehmen. Wir verlangen von unseren Mitmenschen Rechenschaft, ohne uns selbst zur Rechenschaft gezogen zu haben und dehnen diese Rechenschaft auf Gott aus. Wir warten auf ein Zeichen , das uns sagen soll: Ja, ich habe euch verstanden und ich antworte euch mit meinem Zeichen, weil ihr Recht habt… Wir verlangen in sinnlosen Gebeten, daß Gott die Schuldigen strafen soll . Warum tun wir das nicht selbst? Weil wir uns an die Schuldigen anhängen , um von ihren schmutzigen, materialistischen Vorteilen mitzuprofitieren.
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