Reinkarnation
- 45 - Origenes (185 - 254) Origenes aus Alexandria war einer der einflußreichsten Theologen des Urchristentums. In der Lehre des Origenes hatten auch die Präexistenz und die Seelenwanderung einen festen Platz. Trotz mancher Anfeindungen stand die urchristliche Lehre des Origenes in den ersten Jahr- hunderten nach dem Tode Christi in hohem Ansehen. Bei Kirsch , Johann Peter : "Kirchengeschichte", heißt es auf Seite 536: "Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts äußerte sich die Mehrzahl der Stimmen in der Kirche für den berühmten Alexandriner." Noch Papst Siricius (384 - 399) hatte nichts gegen Origenes einzuwen- den. Wer war Origenes? Origenes stammte aus einer wohlhabenden ägyptischen Familie. Seine Eltern waren – ebenso wie einige seiner Vorfahren – Christen. Seine Heimatstadt Alexandrien war damals eine Hochburg griechischer Bildung und Wissenschaft; die Christen stellten dort eine Minderheit dar. Den ersten Unterricht erhielt Origenes von seinem Vater, der ihn schon früh mit der urchristlichen Bibel vertraut machte. Im Jahre 202 starb Leonidas , der Vater des Origenes , den Märtyrertod. Als nun das väterliche Vermögen eingezogen wurde, mußte er für seine Mutter und seine sechs Geschwister sorgen. Er erteilte schon in jungen Jahren Unterricht auf dem sprachlichen und geschichtlichen Sektor. Aber bald schon widmete er sich dem theologischen Unterricht. Einigen Quellen zufolge war Origenes bereits ab 202/203 Leiter der Katechetenschule 7 in Alexandria, wo sich die größte Bibliothek des Altertums befand. Kein Kirchengelehrter nach Origenes konnte jemals wieder auf so umfangreiches Material zurückgreifen. Die Bibliothek wurde 389 von einem christlichen Glaubensfanatiker, dem Patriarchen Theophilus , in Brand gesteckt. Diese unglaubliche Schandtat zerstörte wertvollstes Kulturgut und hat die histori- sche Forschung erheblich erschwert. • In dem Feuer gingen die Schriften des Urchristentums unter, die einen sehr genauen Einblick in die Anfänge christlicher Lehre gaben und bezeugt hätten, daß die Reinkar- nation ein fundamentaler Teil des Christentums war. In der alexandrinischen Schule wurde eine innige Verbindung von göttlicher und menschli- cher Natur in Christus gelehrt. Cyrill, der zu Anfang des 5. Jahrhunderts dort unterrichtete, der von der "einen Natur des fleischgewordenen Logos" 8 sprach, wählte zur Verdeutlichung folgendes Bild: "Die göttliche Natur durchdringt die menschliche wie das Feuer eine glühende Kohle oder ein brennendes Stück Holz." Ein ähnliches Bild wie bei Cyrill findet sich bereits bei Origenes , in seinem Werk "De Princi- piis", II, 6, 5-6. Aus diesem Bild wird eines deutlich: Origenes nimmt zwar an, daß in Christus eine "menschliche Vernunftseele" war, daß diese aber – durch einen einmaligen festen Entschluß zum Guten – keine Entscheidungsmöglichkeit zum Bösen mehr hatte. " Das göttliche Feuer selbst " durchdrang alles, war somit das Bestimmende in Christus . 7 Katechet [ gr.-nlat. ] Religionslehrer, besonders für die kirchliche Christenlehre außerhalb der Schule. 8 Jedin , Hubert "Kleine Konziliengeschichte", Herder, Freiburg, 1959, S. 23.
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