Reinkarnation
- 46 - Der Unterricht in der Katechetenschule zu Alexandria war nicht mit dem üblichen Taufunter- richt der Kirche zu vergleichen. Zur Zeit der Christenverfolgung war auch ein geregelter Unterricht nicht möglich. Es dürfte so gewesen sein, daß anfangs Heiden zu Origenes kamen, um etwas über seinen Gott zu erfahren; von ihnen starben einige als Märtyrer. Auch später war es den gebildeten Heiden, die seinen Unterricht besuchten, völlig freigestellt, ob sie sich taufen ließen oder nicht. Auch getaufte Christen erweiterten und vertieften ihren Glauben bei Origenes . Seine Schüler lernten durch ihn auch andere Glaubensformen kennen, um sich mit ihnen auseinandersetzen zu können. Zum Unterricht gehörten auch Mathematik, Geometrie, Astronomie und die übrigen antiken Wissenschaften. Das Ziel des ganzen Unterrichts war jedoch die Theologie. Der Weg über die weltlichen Wissenschaften sollte die Menschen lehren, durch das Kennenlernen der Schöpfung Einsichten zu gewinnen. Dazu aus seinem Werk "De Principiis" I, 1, 6: "Unsere Vernunft erkennt also, da sie Gott nicht an sich, so wie er wirklich ist, betrachten kann, aus der Pracht seiner Werke und der Schönheit seiner Geschöpfe den Vater des Alls." Den Unterricht für die "Fortgeschrittenen" leitete Origenes selbst. In der Katechetenschule wurde aber auch "Elementarunterricht" erteilt. Origenes lebte in strenger Askese. 9 Er vertei- digte den Glauben der Kirche gegenüber vielen häretischen Gruppen in Alexandrien. Bedeu- tendes leistete Origenes auf dem Gebiet der Bibelforschung: Er erlernte die hebräische Spra- che, um dann den Urtext mit allen ihm bekannten griechischen Übersetzungen zu vergleichen. Dieses Werk ist bekannt als "Hexapla". Origenes unternahm mehrere Reisen; nach Rom; später zum Statthalter der Provinz Arabien, der seinen Unterricht wünschte; von dort nach Palästina. Im Jahre 218 oder 222 wurde Orige- nes von der Mutter des Kaisers Severus Alexander , Julia Mammäa , nach Antiochien eingela- den, um ihr einiges von seiner Theologie vorzutragen. Als Origenes , der inzwischen zu großer Berühmtheit gelangt war, im Jahr 231 wiederum nach Palästina reiste, wurde er dort zum Presbyter 10 geweiht. Bischof Demetrius von Alexandrien – wohl eifersüchtig auf seinen Ruhm – nahm dies zum Anlaß, um Origenes auf zwei ägypti- schen Synoden verurteilen zu lassen ; der Grund war, daß eigentlich Demetrius für diese Wei- he zuständig gewesen wäre und nicht der Bischof von Jerusalem. Origenes wurde exkommu- niziert und ausgewiesen . Er begab sich daraufhin nach Cäsarea 11 , wo man das Urteil nicht anerkannte , und gründete dort eine neue Schule, die bald hohes Ansehen genoß. In Cäsarea schrieb Origenes einen Großteil seiner Werke. Oftmals bekam Origenes den Auftrag der Kirche, häretische Gruppen wieder auf den Boden des rechten Glaubens zu bringen. Deshalb war er auch oft auf Synodalverhandlungen zuge- gen. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius im Jahre 249 wurde auch Origenes in den Kerker geworfen und gefoltert; er sollte verbrannt werden, erlangte jedoch die Freiheit wieder. Origenes starb im Jahre 254 entweder in Cäsarea oder in Tyrus. 9 Askese (Aszese) [griech.], religiös begründete Einschränkung oder völlige Enthaltung von bestimmten Speisen und Getränken, Wohnung, Schlaf, Kleidung und Besitz. 10 Presbyter [ gr.-lat. ] 1. Gemeindeältester im Urchristentum. 2. Mitglied eines evangelischen Kirchenvorstandes. 3. lateinische Bezeichnung für Priester (dritter Grad der katholischen höheren Weihen). 11 Cäsarea: Ruinenstätte in der Scharonebene, 54 km nördlich von Tel Aviv; nach Ausbau durch Herodes d. Gr. als eine der bedeutendsten Städte Palästinas. 6 n. Chr. Sitz der röm. Prokuratoren; 69 zur Kolonie erhoben, seit dem 2. Jh. Bischofssitz; um 640 von den Arabern und 1101 von den Kreuzfahrern erobert, 1265 von Sultan Baibars I. zerstört.
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