Reinkarnation
- 53 - befreit wurden. Sie wollten dafür sorgen, daß die Reinkarnationslehre vollständig aus allen kirchlichen Schriften verschwand. Man könnte nun denken, daß ein solches Ansinnen praktisch nicht durchführbar sei. Doch Theodora hatte ihr eigenes Agentennetz über das ganze Reich gespannt und dafür gesorgt, daß "ihre" Mönche nach und nach die kirchliche Führung übernehmen konnten. Dann stand ihr auch die gesamte Macht des byzantinischen Kaisers zur Verfügung, denn Justinian war längst zu ihrem willigen Werkzeug geworden. War der Kaiser besessen? Es war nicht allein weltliche Macht, die das Unheil vollbrachte. Dahinter wirkten dämonische Kräfte, die ihre Chance sehr wohl erkannten und zu nutzen wußten. Denn: • Wenn es gelänge, den Menschen ihren Glauben an die Wiedergutmachung ihrer Ver- gehen und die daraus folgende Wiedergeburt zu nehmen , dann würde man nicht nur ihr Verantwortungsgefühl untergraben, sondern sie auch hilflos und nichtig machen. Die Menschen würden ihr wahres göttliches Ziel der Läuterung vergessen . Sie würden statt dessen auf eine Erlösung warten, die so niemals kommt, weil sich jeder Mensch nur durch Selbsterkenntnis erlösen kann. Eine solche Menschheit würde sich und die Welt leicht dem Bösen ausliefern. In Theodora und Justinian hatten die dunklen Mächte zwei Helfer mit großem Einfluß gefun- den. Es erstaunt somit nicht, daß man von beiden berichtet, sie seien besessen gewesen. Der zeitgenössische Geschichtsschreiber Procopius führt in seiner "Apocrypha" besonders viele Beispiele an. So erzählt er von einem Mönch, der nach Konstantinopel reiste, um dem Kaiser ein an Bauern begangenes Unrecht vorzutragen. Er wurde sofort vorgelassen. Doch kaum hatte der Mönch einen Fuß in den Thronsaal gesetzt, als er zusammenzuckte und zurückwich. Er weigerte sich, vor den Kaiser zu treten und stürzte verängstigt in sein Quartier zurück. Dort sagte er dem Kämmerer, er habe den "Herrn der Dämonen" auf dem Thron sitzen gesehen und seine Gegenwart sei so schrecklich gewesen, daß er sie nicht habe ertragen können. Auch der Reformator Martin Luther (1483-1546) sah hellsehend auf der Wartburg einen der Vasallen Luzifers, nach dem er dann sein Tintenfaß warf. Der Dämon, den der Mönch erblickte, war also beileibe nicht sein eigenes Phantasieprodukt, sondern eine Realität der Ast- ralebene , die wir heute in der Regel nicht mehr wahrzunehmen vermögen. An anderer Stelle zitiert Procopius die Mutter Justinians , die einmal ihren Vertrauten gestanden habe, Justinian sei nicht der Sohn von Sabbatius , ihrem Gatten, noch eines anderen Mannes, sondern er sei von einem Dämon gezeugt worden. Das Vorgehen Theodoras und Justinians war tatsächlich teuflisch: Um ihre Pläne verwirkli- chen zu können, mußte Theodora zuerst die Westkirche (des gefallenen weströmischen Rei- ches) unter ihre Kontrolle bringen. Dazu verhalfen ihr Belisars 25 Armeen, die den byzantini- schen Einfluß auf Rom sicherstellten und es der Perfidie Theodoras erlaubten, den Papst ab- zusetzen. An seine Stelle trat ein Günstling der Kaiserin. 25 Belisar, geboren in Germaneia (thrak.-illyr. Grenze, beim heutigen Sofia) um 505, gestorben Konstantinopel im März 565, oströmischer Feldherr. Berühmtester Feldherr Kaiser Justinians I.; eroberte u. a. 533 – 534 das Vandalenreich in Nordafri- ka, kämpfte 535 – 540 und 544 – 548 gegen die Ostgoten.
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