Sünde und Gerechtigkeit
- 4 - Unbewußte Selbstkritik (Durchgabe aus dem Jahre 1971) Wohlan, wie wenig weiß der Mensch über sich selbst. Trotzdem handelt er unbewußt nach den in ihm vorhandenen Tatsachen. Wenn der Mensch seine Mitmenschen etwas besser beobachten würde, könn- te er mehr aus ihnen herauslesen , als ihr Gebaren oder ihr Äußeres zeigen. Viele Äußerungen des Menschen können als eine unbewußte Selbstkritik gewertet werden, obgleich jener Mensch sich einer solchen Kritik nicht bewußt ist, weil er sich zu wenig um sich selbst geküm- mert hat. Das hat nichts mit Erfahrung und Intelligenz zu tun… Man fragt zum Beispiel einen Men- schen, ob er an ein bewußtes Weiterleben nach dem Tode glaubt , so erhält man mit ziemlicher Sicher- heit die Antwort: "Ich bin ein Skeptiker" … oder: "Ich glaube nicht, daß es möglich ist." … Diese Wor- te sind bereits eine unbewußte Selbstkritik. Der Mensch weiß unbewußt , also im verborgenen Unterbewußtsein, daß vieles nicht in Ordnung ist, zum Beispiel die Ethik, die Moral, die Menschenliebe, die LIEBE zu GOTT und vieles, vieles mehr, wovon er nicht reden möchte … Alle diese Fehler arbeiten wie in einem Computer. Die Antwort, die der Mensch über sein Hirn erhält, lautet: "Distanziere dich von dieser Frage, denn wenn du zugeben würdest, daß die Frage berechtigt ist, dann weißt du auch, daß du dich einem höheren Gericht stellen mußt." Aber wer will schon zu einem Gericht, um sich aburteilen zu lassen? Folglich gibt es logischerweise nur eine Möglichkeit: Ableugnen ohne sich davon zu distanzieren. Diese Feststellung und Analyse gehört allerdings zur Psychologie. Aber ich weiß, daß die Psychologie diese Analyse nicht kennt. Des- halb ist es wichtig, daß ihr sie beachtet! • Wenn dem Menschen in irgendeiner Form etwas unangenehm oder verhängnisvoll werden kann, so versucht er zunächst, dieser Gefahr auszuweichen . Aus diesem Grunde wundert es uns überhaupt nicht, wenn hochintelligente Wissenschaftler glatt her- aus behaupten, daß es ein Weiterleben nach dem Tode nicht geben kann . Sie verschanzen sich hinter einer Lüge, weil sie damit zugleich ihre unbewußte Selbstkritik verbergen möchten. Sie müßten sonst wie folgt antworten: "Ich glaube an ein Weiterleben nach dem Tode; aber damit gebe ich zu, daß ich wahr- scheinlich zu den sogenannten "Verdammten" gehöre. Weil ich aber nicht verdammt sein will, so finde ich es wesentlich besser, wenn es kein Weiterleben nach dem Tode gibt, weil ich dann nicht zu den Verdammten, zu den Verurteilten gehöre. Aufgrund meines bisherigen Lebens weiß ich nicht, wie ich mich sonst verteidigen könnte. Folglich sage ich lieber: Ich bin skeptisch. Mit dieser Äußerung lehne ich ein Weiterleben nicht ganz ab, aber ich lasse mir ein kleines Tor offen, durch das ich mich zurückziehen kann." Immerhin bleibt für den Befragten ein kleiner Trost übrig, nämlich die Hoffnung, daß er nach dem Tode vielleicht doch gänzlich aus dem Universum ausgelöscht ist. Bekanntlich antworten fast alle Verbrecher, denen der Richter die Wahrheit vor Augen hält, mit einer Lüge. Sie streiten, weil sie genau wissen, daß man sie erkannt hat, ganz genau erkannt hat… Aber auch der Atheist will nicht, daß man ihn richtig erkennt . Er fürchtet die Wahrheit und streitet lieber. Das laßt euch einmal durch den Kopf gehen!
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