Was uns Veritas sagt
- 11 - Was uns VERITAS sagt... (8) Die wirklichen menschlichen Größen, Menschen, die die Wahrheit erkannt haben , Menschen, die Gott in Seiner höchsten und klarsten Wesenheit ergründet haben, die hat man elendig ermordet, erwürgt, gekreuzigt, auf den Scheiterhaufen gebracht, den Bestien zum Fraße vorgeworfen, um sich an ihren Todesqualen zu ergötzen, sich an ihrer Standhaftigkeit und an ihrem unerschütterlichen Todesmut zu erregen. Diese Menschen waren echte Propheten mit der göttlichen Stimme, der heiligen Inspiration, sie waren Realphilosophen, welche die Wahrheit erschaut und begriffen haben. Sie waren Wissen- schaftler, die das Jenseits kannten und die ungeheure Erhabenheit und Größe der Vierten Dimension begriffen hatten. Diese unerschütterliche Gewißheit des wirklich Lebendigen, das über der Materie steht, hat ihnen den Mut zum heldenhaften Sterben gegeben. Wie schrecklich und entmutigend ist dagegen der Wahnsinnstod eines Kant oder das schwindsüchtige Ende eines Spinozas 2 , der ausgestoßen und von seinen Genossen verflucht und verdammt war. Wenden wir unseren Blick von der "gehobenen" Menschheit ab und wenden wir uns den Primitiven zu, jenen Menschen, die aus Dummheit abergläubisch sind. Wie ist das möglich, daß in einem primiti- ven Inselbewohner, der keine naturgeschichtlichen Erkenntnisse hat, der Aberglauben und damit die Furcht vor dem Übersinnlichen entsteht? Der Naturmensch ist im hohen Grade ein Instinktmensch . Er ist noch äußerst intuitiv und daher medialer als andere Menschen. Sein ererbter Instinkt sagt ihm schon, daß diese Welt, in der er lebt, nicht die ganze abgeschlossene Daseinssphäre ist. Die instinkt- mäßigen, äußerst scharfen Sinne zeigen ihm die Welt, die metaphysische Erscheinungen hervorbringt. Scharf sind diese Sinne nicht durch eine materielle Verbesserung der Nerven, sondern weil das Bewußtsein selbständiger arbeitet , ja, mitunter ganz auf den materiellen Reiz der Sinne verzichtet . Der Eingeborene ahnt eine unmittelbare Gefahr, das leise Anschleichen eines Raubtieres oder das Auftre- ten eines Erdbebens oder einer Überschwemmung. Darüber hinaus sieht der Naturmensch plötzlich eine geistige Erscheinung oder er hört jenseitige Stimmen oder Geräusche . Stevenson , der die Südsee befahren hat, berichtet sehr genau über die Gespensterfurcht der Inselbe- wohner. Diese Furcht besteht in ganz Ostasien, Australien und ganz Ozeanien. Trotz der meilenweiten Entfernungen voneinander sind diese Erscheinungen überall dieselben . Der Aberglaube hat sich ausschließlich aus den tatsächlichen übersinnlichen Phänomenen entwickelt . Die Wahrheit entwickelte ihren unnatürlichen Kult, der jedem Europäer als widernatürlicher Unsinn und Aberglaube vorkommt. Der Aberglaube ist demnach, je nach der Entwicklung des Menschen, eine Mischung aus Furcht, Anbetung, Neugier und einem intuitiven Gefühl, daß die Welt über den Tod hinaus Geheimnisse hat, die den Menschen äußerst betreffen. Die furchteinflößenden übersinnlichen Erscheinungen werden mangels genügender Erkenntnisse völlig falsch gedeutet . Der Primitive glaubt sich verfolgt und meint, im Kampf mit jenseitigen , über- mächtigen Wesen zu stehen. Da diese Wesen nicht zu töten sind, aber ihr Leben beweisen und keine direkten Angriffsflächen zeigen, so verbleibt der Primitive in passiver Ohnmacht. Die Naturmenschen trachten deshalb danach, sich mit den überirdischen Feinden möglichst zu versöhnen, sie zu besänfti- gen , und deshalb bringen sie ihnen alle möglichen Opfer und Gaben dar. • Ein Wissenschaftler, der über die Bezeichnung " Geister " spottet oder lächelt, ist kein wirkli- cher Wissenschaftler, sondern das Opfer eines Irrtums , den er starrsinnig verteidigt. 2 Spinoza, Baruch, geboren Amsterdam 24.11.1632, gestorben Den Haag 21.02.1677, niederländischer Philosoph. Bedeutendster Systematiker des Rationalismus und Pantheismus. Seine Philosophie postuliert die Identität von Gott und Natur (Monismus): Gott, verstanden als die alles umfassende Natur, ist die absolute, ewige Substanz, von deren unendli- chen Attributen dem Menschen Ausdehnung (Materie) und Denken (Geist) zugänglich sind. In seinem anonym erschiene- nen "Tractatus theologico-politicus" (1670), neben einem Traktat über Descartes "Principia philosophiae" der einzigen zu seinen Lebzeiten erschienenen Schrift, verteidigt Spinoza die Ideen der Freiheit des Denkens und der Toleranz. Bedeu- tenden Einfluß gewann er im deutschen Idealismus und in der deutschen Romantik.
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