Wissenschaft, Technik und Kunst

- 85 - Wohlan, der Mensch soll human , das heißt, er soll menschlich sein. Zur Zeit der Renaissance hatte man einen gewissen Humanitätsbegriff. Humanität bedeutet: Tugend . Ein Ideal höchster Vollkom- menheit des Menschen in seinem Denken und Verhalten, besonders anderen Menschen gegenüber. Mit der Zeit ist dieser Humanitätsbegriff völlig verändert worden, denn er führte zu einem Begriff des Klassenunterschiedes zwischen geistig gebildeten Menschen und den ungebildeten. Heute ist die Menschheit dieser Erde vom Humanitätsbegriff völlig entfernt . Was einmal gültig war, gilt heute nicht mehr. Kein Mensch fragt noch nach Humanität. In den totalen Staaten kennt man noch nicht einmal dieses Wort. Die Erdenmenschheit braucht daher einen neuen Humanitätsbegriff. Es ist nicht abzu- streiten, daß die Humanität unbedingt mit Gottglauben und Gottwissen zusammenhängt. • Gott fordert vom Menschen die Humanität, sie ist die Endsumme Seiner Gebote . Doch da die Menschheit von allen göttlichen Wahrheiten Abstand genommen hat, besitzt sie auch keine Humanität mehr. Die Menschlichkeit spielt keine Rolle mehr. Es ist besonders auffallend und empörend, daß große Wissenschaftler, große Politiker und überhaupt die Großen dieser Welt nicht mal mehr nach der Humanität fragen , daß sie sich überhaupt nicht um diesen Begriff, um dieses Ideal kümmern . Doch die Humanität ist nicht allein ein Privileg, das nur für die Großen bestimmt ist. Jeder Mensch muß dieses Ziel vor Augen haben. Diese Entwicklung ist nicht allein irdisch , sie ist in ihrer Auswei- tung unübersehbar und reicht über das Grab hinaus . Die Jugend hat überhaupt keinen Begriff von Humanität. Sie ist sich in ihrer geistigen Entwicklung selbst überlassen . Der Humanismus ist durchaus kein Ideal der Renaissance, sondern weder zeitgebunden noch ortsge- bunden, er reicht in unsichtbare Regionen hinüber, er ist endlos und ewig in seiner Zielsetzung. Aus diesem Grunde ist der Humanismus ein göttliches Ideal . Ja, man kann sagen, daß Gott der einzig wahre Humanist ist. Auch wenn ihr euch also keine Vorstellung von Gott machen könnt, so stellt euch wenigstens einen Humanismus vor, ein Ideal, das ihr erreichen wollt und müßt . • Der Humanismus ist der einzige Weg, der ohne direkte Beteiligung der Theologie zum Welt- frieden und zur Erlösung der Menschheit führt. Gott verlangt von euch nicht, daß ihr Ihn als eine menschenähnliche Person verehren sollt. Er verzich- tet auf jedes menschliche Lob und auf jede kultische Vergötterung. G ott verlangt von euch nur eine Kleinigkeit: Euren Humanitätsbegriff zu erneuern und nach diesem zu handeln. Eure Absichten, so wie sie heute in Erscheinung treten, schlagen jedem Humanitätsbegriff ins Gesicht. Sie sind ein Hohn auf jede Menschlichkeit. Diese Menschlichkeit, wie ihr sie verfolgt, bringt die Menschheit geistig unter das Niveau der Tiere, von denen keine Humanität verlangt wird - und die trotzdem menschlicher denken und handeln. Eure Universitäten haben die ehrenvolle Aufgabe, einen neuen, in der ganzen Welt gültigen Humani- tätsbegriff auszuarbeiten , ihm eine Form zu geben und jede Abweichung und Mißachtung als Blasphemie zu verfolgen, sowie zu bestrafen. Ohne diese Humanität ist die ganze Erdenmenschheit wertloses Strandgut im ganzen Universum. Ohne genaues Erkennen dieser hohen Aufgabe ist eine Weiterentwicklung der Erdenmenschheit unmöglich. Sie steht bereits an der Grenze, das heißt, an der globalen Vernichtung , weil das echte, wirkliche Ideal fehlt und durch politische und egoistische Phrasen ersetzt wird. Friede über alle Grenzen (Durchgabe aus dem Jahre 1968)

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