Giganten im All - Teil 1
- 10 - dem Meer. Ihr Blutdruck ist daher hoch. Alle Anstrengungen sind für Sie größer als normal, aber Sie sollen ja keine Arbeiten bei uns verrichten. Was wir von Ihnen verlangen, liegt auf geis- tigem Gebiet. Wir wollen uns mit Ihnen unterhalten, denn wir können die Verhaltensweise der Erdenbrüder nicht verstehen." Martin durfte sich wieder anziehen. Der Arzt gab ihm etwas zum Einnehmen und klopfte Martin kameradschaftlich auf die Schulter. "Sehen Sie das Ganze als einen Erholungsurlaub. Eigentlich hätten wir allen Grund, Sie als un- seren Feind zu betrachten. Aber wir denken anders über Menschen. Sie müssen wissen, daß je- der Mensch für uns ein gewisses Tabu besitzt. Es wäre schön, wenn das auf der Erde auch so wäre, denn dann wären Sie gar nicht hier." Nun wußte Martin ungefähr, worauf das Ganze abzielte. Er war ein geistiges Versuchsobjekt für Au- ßerirdische. Wenn man auf der Erde wüßte, was sich hier abspielte! Niemand kann sich dort etwas Derartiges vorstellen. - Allmählich wuchs Martins Neugierde. SHINUN bedankte sich bei dem Arzt und winkte Martin, ihm zu folgen. "Sie werden sicher Hunger haben. Die Gastfreundschaft gebietet uns, den Gast gut zu bewirten. Es wird Ihnen an nichts fehlen. Wir haben alles, was für den Menschen gesund ist." Martin schritt mit SHINUN einen langen Gang entlang, der sehr viel Ähnlichkeit mit den Gängen auf großen Ozeanriesen hatte. Es gab kleine "Geschäfte" rechts und links, und alles war sonnenhell er- leuchtet, ohne daß eine Lichtquelle zu sehen war. SHINUN deutete auf einen dieser kleinen Läden, indem er sagte: "Sie sehen, wir haben auch Schaufenster. Aber das ist kein Glas, sondern ein elastisches Mate- rial von großer Durchsichtigkeit. Wir nennen es "Espam". Es kann mit einem besonderen Appa- rat geschnitten werden, sonst ist es unzerstörbar. Dort drüben ist die, wie sagt man bei Ihnen, Kantine." Beide traten in den Speiseraum, der sehr gemütlich und geschmackvoll eingerichtet war, ohne Kitsch und ohne Disharmonie. Es gab kein Holz. Alles war aus dem gleichen Material hergestellt, das Martin schon untersucht hatte. Es gab keine Tischdecken. Alles war peinlich sauber. An jedem Tisch standen drei gut gepolsterte Drehstühle. SHINUN setzte sich mit Martin an einen der Tische. "Das alles ist für Sie natürlich völlig neu und fremdartig. Sie müssen wissen, daß wir den größ- ten Teil unserer Ernährung selbst herstellen, auch das Wasser gehört dazu. Wir haben ein Ver- fahren entwickelt, mit dem man die Atome neu gruppieren kann. Natürlich ist das Wort "grup- pieren" falsch gewählt, doch ich spreche bewußt in einer für Sie verständlichen Form. Im Ver- hältnis zur Erde sind wir auch in wissenschaftlicher Hinsicht sehr weit voraus. Ein Raumschiff, wie dieses hier, kann jahrelang auf Reisen sein, ohne Station machen zu müssen. - Sie bekom- men jetzt etwas zu essen. Darunter wird auch Gemüse sein. Dieses Gemüse und auch die Salate ziehen wir in einer eigenen Gärtnerei, in einem Treibhaus. Außerdem haben wir ein großes Al- genhaus, das sehr wichtig ist." "Ich bin erstaunt", meinte Martin. "Man hat sich auf Erden stets Gedanken darüber gemacht, auf wel- che Weise man lange im Weltall leben könnte. Ohne eine Atomgruppierung, wie Sie es nannten, wäre das wohl nicht möglich." "Ja, das ist das Erhaltungsproblem. Aber es gibt noch größere Schwierigkeiten zu überwinden. Wir haben sie fast alle gelöst." SHINUN zeigte auf eine junge Dame, die den gleichen Dreß trug wie er.
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