Giganten im All - Teil 2

- 20 - Die Antwort kam prompt: "Der Fehler besteht darin, daß die östliche bzw. die kommunistische Ideologie keine Rücksicht auf das Einzelindividuum nimmt. Es zählt nur die Masse. Es zählt nur der Zweck. Ein sehr gro- ßer Fehler besteht darin, daß man an Stelle des religiösen Denkens die marxistischen Lehren gesetzt hat. Damit schafft man eine Unzufriedenheit der irdischen Seelen, die nach Wahrheit dürsten." SHINUN fügte hinzu: "Ich nehme an, daß beide Ideologien gewisse positive Gedanken besitzen. Diese positiven Fragmente beider Ideologien könnten - unter Streichung der fanatischen Irrlehren und Dogmen - etwas gemeinsames Gutes ergeben. Es bedarf einer großzügigen Reformierung. Beide Ideolo- gien, sowohl die kommunistische als auch die westlich demokratische Ideologie können zusam- men ein positives Bild ergeben, wenn sie sich der Reformation fügen. Zuviel Demokratie ist ebenso wenig gut, wie zuviel Diktatur." "Ja, das glaube ich auch", sagte Martin, bedankte sich und verließ mit SHINUN das Rechenzentrum, das ihm weitere neue Erkenntnisse vermittelt hatte. So ein hochtechnisierter Ratgeber ist wirklich eine tolle Sache, dachte Martin. Ein solcher Computer fehlt auf der Erde. Er arbeitet besser als das Hirn der Philosophen und Besserwisser. "Eigentlich hätte ich noch etwas zur irdischen Kunst fragen sollen", sagte Martin zu seinem Begleiter, als sie beide den Gang entlang schritten. "Über die irdische Kunst weiß unsere Freundin NAMO gut Bescheid. Wenden Sie sich an diese Frau, Herr Berger. Sie bekommen von ihr eine ebenso wertvolle Antwort, wie von dem Konse- quenzen-Rechner", antwortete SHINUN. "Doch vorher müssen wir noch einmal zum Arzt. Sie müssen eine Injektion erhalten, sonst bekommen Sie die Raumkrankheit. Martin nickte. Es blieb ihm auch gar nichts anderes übrig. Er hatte sich zu fügen, dann würde alles glatt verlaufen. Die Kunst ist sakral Martin wunderte sich, daß es im Raumschiff so viel Bequemlichkeit gab. Ein Raum war schöner als der andere. Besonders jene Räume, die der Erholung und der Unterhaltung dienten. Mit 18 Stockwer- ken war dieses außerirdische Mutterschiff, nach irdischen Begriffen, ein wahres "Luxushotel". Martin traf sich mit NAMO in einem dieser Erholungsstätten. SHINUN hatte NAMO informiert und geschickt. Nachdem sie sich begrüßt und einen Platz zum Sitzen ausgesucht hatten, sagte Martin: "Über die Kunst läßt sich nur reden, man sollte aber nicht darüber streiten." NAMO sah ihn ernst an und antwortete: "Wir streiten uns prinzipiell überhaupt nicht. Wir stellen nur fest und vergleichen unsere Anschauungen. Auf der Terra streitet man dagegen über jede Kleinigkeit. Das ist etwas, wa s uns kränkt - und Euch krankmacht." "Sie müssen viel Geduld mit mir haben", sagte Martin, sich entschuldigend. "Auch ich bin mit all den Fehlern behaftet, die es bei Erdenmenschen gibt. Die Kunst interessiert mich persönlich sehr. Auf der Erde ist man derzeit in eine Art von Kunst hineingesteuert, die viele Menschen nicht mehr verstehen. Trotzdem wird sie als 'moderne Kunst' angepriesen. Was halten Sie beispielsweise von Bildern, die nur aus Klecksen und Strichen bestehen? Unsere Kunstsachverständigen behaupten, daß der Durch- schnittsmensch 'keine Ahnung von Kunst' habe und daher auch nicht darüber urteilen könne." NAMO verzog ihr Gesicht und sagte:

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