Giganten im All - Teil 2
- 21 - "Auf alle Fälle ist der Ursprung der Kunst sakral. Das hat man leider auf der Terra vergessen. Ich will es Ihnen erklären: Die Kunst ist eine Art Gebet; sie verlangt vom Menschen eine Medi- tation, eine Versenkung und Umschaltung in die höchsten Lebensempfindungen und eine Füh- lungnahme mit dem SCHÖPFER. Deshalb haben die wirklichen Künstler auf der Terra mit Vor- liebe religiöse Themen gewählt. Es gibt zwei Arten der Kunst, weil es nämlich auch zwei SUPERMÄCHTE gibt, die man als 'Himmel' und 'Hölle' bezeichnet. Man kann auch 'Gut' und 'Böse' dazu sagen. Nun kommt es darauf an , was die Sprache der Kunst ausdrücken soll. Will der Künstler die Dämonie zeigen oder will er den Betrachter mit der göttlichen Schöpfung bekanntmachen. - Auf der Terra ist man immer mehr dazu bereit, die Dämonie auszudrücken, nämlich das Chaos, die Aufspaltung, die Zerstörung und Zerrissenheit, weil alles darauf hinzielt. Dies ist dann eben zeitgemäß. Das kann auch unbewußt geschehen. Hinter jedem Künstler stehen unsichtbare INTELLIGENZEN, die sich an der Sache beteiligen . Der Künstler ist oft nur Instrument, eine Marionette, ohne es zu wissen." Das ist ja hochinteressant", sagte Martin. "Erzählen Sie bitte weiter. Mich interessiert das sehr!" "Gern", sagte NAMO. "Jeder wirkliche Künstler ist hochgradig sensitiv, d. h . medial veranlagt. Er wird zwischen sichtbaren Intelligenzen und unsichtbaren INTELLIGENZEN als Mittler benutzt. Die Kunst ist also eine Sprache, um etwas auszudrücken, wofür es nicht die passenden Worte gibt. Was da zu sagen ist, muß erfühlt werden." "Ein irdischer Philosoph, ich glaube es war Benedetto Croce 2 , soll gesagt haben: 'Schönheit ist ange- messener Ausdruck'", bemerkte Martin. "Aber Häßlichkeit ist doch auch angemessener Ausdruck. Wo liegt die Grenze zwischen beiden Begriffen?" NAMO lächelte fein und sagte: "Die Wirkung ist bei Schönheit und Häßlichkeit verschieden, sie ist relativ. Der Ausdruck, der vom Objekt ausgeht, ist der Seele angemessen und nicht der Materie! Schönheit ist das, was an- zieht. Häßlichkeit ist das, was abstößt. Wenn es anders ist, so ist es nicht normal, d. h. krank- haft. Sie sehen, Herr Berger, daß es eine krankhafte Erscheinung ist, wenn man auf der Terra behauptet, daß die Häßlichkeit anziehend sei. Die Schönheit erzeugt Harmonie. Die Häßlichkeit erzeugt Disharmonie. Aber an der Disharmonie sind niemals positive Kräfte interessiert, höchs- tens die Dämonie, auch wenn sie unerkannt bleibt. Auch die Kunst unterliegt dem Kausalgesetz von Ursache und Wirkung. Wenn ein Mensch häßliche und disharmonische Kunst betrachtet, wird er davon krank. Das ist ein Naturgesetz! Ebenso ist es auch in der Musik, die ja auch zur Kunst zählt. Aus diesem Grund können wir den eintönigen Jammergesang vieler Kirchenlieder nicht verstehen. Doch was man heute mit der Musik macht ist keine Kunst, sondern ein dämonischer Radau. Ich will es Ihnen genauer erklären: Ein Verrückter behauptet meistens, daß er nicht verrückt sei, sondern nur die anderen. Ebenso verfährt man mit der Kunst. Wer behauptet, daß ein Künstler verrückt sei, bekommt zur Antwort: Nicht der Künstler sei verrückt, sondern der Zuhörer oder Betrachter, weil er keine Ahnung davon habe. Wie sehr die Kunst ins Dämonische abgleitet, er- kennen Sie an den Suchtgiften, die man bei vielen Künstlern findet. Es ist also eine negative Kunst, die dabei herauskommt. Wir brauchen aber keine negative Kunst, weil alles Negative dem gesunden Menschenverstand und dem vernünftigen Weltenplan entgegengesetzt ist. Eine schlechte Seele kann selbstverständ- lich durch das Disharmonische und Häßliche angezogen werden. Wenn das auf der Terra so 2 Croce, Benedetto, geb. in Pescasséroli 25.02.1866, gest. in Neapel 20.11.1952, italienischer Philosoph, Historiker, Litera- turwissenschaftler und Politiker. Croce stellte seine Philosophie als eine Folge offener Systemationen dar, nicht als ein geschlossenes System; er wurde durch seine ästhetischen. Schriften über Italien hinaus bekannt.
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