Giganten im All - Teil 2
- 25 - Martin Berger kam sich sehr schäbig vor. So hatte noch niemand zu ihm gesprochen. "So, wie Sie es erklären und sehen, haben Sie selbstverständlich recht", sagte er zerknirscht. "Angesichts der vielen Mißstände, die Sie aufzählten, weiß ich aber keinen Ausweg, wie sich das jemals ändern soll." NAMO strich über Martins Hand und lächelte verstehend. "Nehmen Sie es sich nicht so zu Herzen", sagte die Außerirdische. "Sie sollten doch gelassen bleiben, nicht wahr? Auch wenn ein Mensch von der Masse beachtet wird, ist er noch lange kein Genie. Die Entscheidung fällt erst dann, wenn offenbar wird, ob er eine gute oder schlech- te Verständigungsart hat. Weil die Völker der Terra vorwiegend auf das Negative reagieren, wird ihnen auch Negatives geboten, um damit Geld zu machen. Das ist Heuchelei und Verrat an der Göttlichkeit der Spra- che. Entweder man dient der Entwicklung - oder dem Untergang. Jeder Mensch hat sich zu ent- scheiden, auf welcher Seite er stehen will, für welche ORGANISATION er seine ganze Kraft und Intelligenz einsetzen will. Der Mensch muß wissen, ob er GOTT verraten und verleugnen und Seine Existenz abstreiten will; ob er mit Hilfe seiner besonderen Ausdrucksfähigkeit das Gute in den Morast ziehen will. Er kann sich auch für die Höherentwicklung der Menschheit entschließen. Das führt ihn dann zur Leistung, zur Zufriedenheit, zur Erkenntnis und zum friedvollen, positiven Leben auf vielen, vielen schönen Planeten. Diese Entscheidung verlangt aber mehr Gewissen als Talent. Die Theologie spielt deshalb in der Kunst eine so bedeutende Rolle. Sie wäre tausendmal wertvoller, wenn die begabten und talentierten Menschen auf der Terra wüßten, was es mit der Theologie wirklich für eine Bewandtnis hat. Sie müssen wissen, daß friedvolle, aufgeklärte und wissende Menschen ihre universellen Nachbarn im All sind. Sie müssen wissen, daß die geheimnisvollen "Götter", die man so hoch verehrt hatte, keineswegs den Mythen und Sagen entstammen, sondern leibhaftig existieren, und daß diese 'Götter' ihre Mission nicht aufgegeben haben, sondern wiederkehren, um der Erdenmenschheit zu helfen. Sie müssen vor allem wissen, daß GOTT sie nicht verlassen hat, weil wir für Ihn in der Materie handeln." Noch nie in seinem Leben hatte Martin sich so geistreich unterhalten können, wie es in diesem Raum- schiff möglich war. Er hatte das beglückende Gefühl, tatsächlich bei den "Göttern" zu sein und ihre Gunst zu genießen. "Was halten Sie denn von der irdischen Musik, so wie sie heute ausgeübt wird?", fragte Martin. "Leider nicht viel", antwortete NAMO. "Aber in früheren Zeiten konnten die Menschen der Ter- ra sehr gute Musik machen, die auch wir sehr zu schätzen wußten. Musik ist eine harmonische Seelensprache, wenn sie künstlerische Musik sein soll. Auf alle Fälle muß sie eine göttliche Richtung erkennen lassen. Solch eine Musik ist eindringlich, aber ohne die Nerven aufzupeit- schen; sie dringt mit sinnlicher Gewalt in die Tiefen der Seele, hebt alle höheren Gefühle aus der verborgenen Schatzkammer der Seele und macht dem Menschen ein überirdisches, sphäri- sches Dasein bewußt. Das ist die Aufgabe des wirklichen Künstlers, die inneren, verborgenen Seelenschätze, jene noch nicht voll erkannten Werte göttlichen Ursprungs, im Menschen herauf- zuzaubern und bewußt zu machen. Der langsame, ruhige Rhythmus, der wie ein Pulsschlag oder wie die Atmung eines gesunden Menschen im Einklang mit der unaufdringlichen Harmonie, wie ein Lebensstrom in die Seele fließt, ist das Merkmal wirklicher Kunst; sie darf nicht unange- nehm empfunden werden, sondern muß sich dem eigenen Seelenrhythmus sympathisch anpassen und zu einem einheitlichen höheren Gefühl verschmelzen. Kunst erfordert einen hohen Idealismus. Das soll aber nicht heißen, daß Kunst einen Idealismus zum Geldverdienen benötigt. Der Idealismus, den die Kunst benötigt, legt auf materielle Aner- kennung weniger Wert. Die Sucht nach Ruhm und Geld ist der wahren Kunst gefährlich; diese Eigenschaften führen leicht in die falsche Richtung und entfernen das Genie von seiner Berufung. Zur Kunst gehört ein unerschütterlicher Glaube. Aber dieser Glaube kann und darf nur ein Glaube an das Höhere und Gute, an das wahrhaft Göttliche und auch Menschliche sein.
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