Giganten im All - Teil 2
- 26 - Ein Künstler, der vom Wege der wahren Aufgabe abgeirrt ist und sich dem Materialismus mit Ruhm und Ehre, weltlicher Anerkennung und vielem Geld verschrieben hat, wird schwerlich so viel Idealismus und so viel Glauben an seine Mission aufbringen, daß er sein Leben dafür in die Waagschale wirft. Auch der Künstler muß über die Ekstase zum Propheten werden, der seine Visionen in seine Sprache der Kunst übersetzt und zwar so, daß sie jeder Mensch selbst deuten kann und daraus die Erkenntnis der reinen, philosophischen und religiösen Wahrheit gewinnt, die durch keine menschliche Überlegung ersetzt werden kann. Zu dieser Deutung bedarf es keines Kunstsach- verständigen, der den Menschen etwas einreden oder aufzwingen will, damit er Geld verdient. Die in der Melodie oder im Bild, im Stein oder in der Sprache festgehaltenen Visionen müssen eine höhere Offenbarung sein. Die schrecklichste und abwegigste Kunst kann neben der wahren Kunst ruhig bestehen, wenn ihr wahrer Charakter entschleiert wird. Diese Kunst muß als 'dämonische Kunst' bezeichnet werden. Es genügt nicht, sie als 'abstrakt' oder 'existentialistisch' usw. zu bezeichnen, denn un- ter diesen Bezeichnungen kann sich kein normaler Mensch das Pseudomachwerk dämonischer Einfälle vorstellen. Sie werden heute noch eine Vorführung guter Kunst zu sehen bekommen, Herr Berger." Martin schaute NAMO überrascht an und fragte: "Was wird das für eine Vorführung sein? Darauf bin ich sehr neugierig, nach diesem ausgezeichneten Vortrag von Ihnen. Sicher werde ich in Zukunft einen anderen Maßstab anlegen." "Schon möglich", sagte NAMO. "Bei der Vorführung handelt es sich um einen GOTTES- DIENST. Wir haben heute unsere Meditationszeit. Kommen Sie mit, denn es ist bereits Zeit." Sie erhoben sich von ihren Plätzen und verließen zusammen den lichten Raum. Jedesmal, wenn Martin den langen Gang durchschritt, hatte er Gelegenheit, die Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten. Der breite Gang erinnerte ihn an die Ladenstraßen, wie er sie von großen Passagierschiffen auf den Weltmeeren der Erde her kannte. NAMO führte Martin in eine herrliche Halle. Wunderbare Gemälde waren an den Wänden zu sehen, die sich an der Decke fortsetzten. Martin war hingerissen von dieser Schönheit. Es waren Samariter-Themen, die in diesen Bildern ausgedrückt wurden, alles in allem von einer großen LIEBE und hohen Menschlichkeit zeugend. Auf der gegenüberliegenden Wand befand sich ein achtzackiger goldener Stern, der einen Punkt in seiner Mitte trug. Das Emblem der Santiner . Zusammen mit NAMO nahm Martin in den ergonomischen Sesseln Platz, die größte Bequemlichkeit boten. "Achten Sie jetzt nicht so sehr auf die Menschen, die hier zur Andacht versammelt sind", flüster- te NAMO ihm zu. "Unser GOTTESDIENST besteht aus einigen Minuten vollkommener Versen- kung und Ruhe, der Sie sich auch hingeben sollten." Die wunderbare Umgebung des großen Raumes, verbunden mit einer fast heiligen Stille, versetzte Martin in eine euphorische Stimmung. Er spürte eine hohe MACHT, die auch über ihn waltete. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er einen so harmonischen Augenblick erlebt, wie es in diesem Moment der Fall war. Martin fühlte sich glücklich und zufrieden. Er spürte deutlich, was für eine ge- waltige Kraftquelle die Zufriedenheit doch war. Die Zufriedenheit und die Ausgeglichenheit dieses Augenblicks waren wie der Atem GOTTES, der Martin berührte. Vor dem Emblem der Santiner befand sich ein niedriges Podium. Zwei Stufen führten hinauf. Ein wunderbares, mattes Licht fiel auf diese Stelle. Der Fußboden schimmerte wie mit Edelsteinen besetzt, war aber weich und elastisch. Nachdem die Meditation beendet war, wandte sich NAMO an Martin: "Sie werden jetzt einen religiösen Tanz miterleben. Es ist ein Tanz von wahrer Kunst, in einer Sprache, die man mit Worten nicht ausdrücken kann. Die Tänzerin heißt MUMTASEE. Sie wer- den sie gleich sehen."
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