Giganten im All - Teil 2

- 27 - Sprache ohne Worte Links neben dem Podium befand sich eine leere Nische, ähnlich einem Erker, aber ohne Ecken. Über- haupt war auch hier alles abgerundet. Die Nische war ganz in Blau gehalten. War sie der unsichtbare Thron, den Mose für den "Sitz GOTTES" gehalten hatte? Wer weiß. Vielleicht war sie der Thron des "höchsten Gottes" der "Götter"? Die Spannung war groß. Auch Martin war innerlich sehr gespannt. Dann begann die Musik. Es waren sphärenhafte Klänge wundervoller Streichinstrumente, die vom leisen, stoßweisen Rhythmus einer Art Trommel begleitet wurden. Unglaublich schön anzuhören. Dann kam die Tänzerin. Sie war von ihrem Kinn bis zu ihren Füßen in einem seidenartigen Stoff ein- gehüllt, so daß nur Hände und Kopf zu sehen waren. Martin war ein wenig enttäuscht, denn die Tänze- rin hatte er ganz anders erwartet, vor allem weil sie so vollkommen eingehüllt war. Martin saß direkt vor dem Erker, so daß er sie genau betrachten konnte, die nun in fast schwebenden Tanzschritten an ihm vorbeiglitt. "Das ist der Kuma-Schritt", flüsterte NAMO Martin zu. "Dieser heilige Schritt ist sehr schwer zu erlernen. Martin suchte mit seinem Blick die unvergleichlich schönen Augen der Tänzerin, die ja alle Santiner besaßen. Martin erschrak! Diese Augen waren keine Santiner-Augen wie er sie kannte. Diese Augen waren starr und leblos und wirkten wie aus kalten Edelsteinen gemacht; sie waren unbeweglich und starrten in ein ungeheures Nichts, vielleicht in das geheimnisvolle Nirwana? "Sehen Sie ihre Augen?" fragte NAMO leise. "Ja", flüsterte Martin zurück. "Sie wirkt auf mich wie in Trance. Ist es eine Art von Selbsthypnose?" "Nein. Sie ist gewissermaßen 'somnambul' 3 . Das Übersinnliche hat sich ihrer bemächtigt. Sie hat Kontakt zu höheren Wesen, die sie jetzt als Werkzeug benutzen", flüsterte NAMO. Der Rhythmus der Musik verstärkte sich, schwoll immer mehr an und wechselte dabei ständig das Tempo. Nun stand die Tänzerin auf der Mitte des Podiums. Ihre Augen, vom Licht des Umfeldes wie magisch beleuchtet, starrten unbeweglich in eine unendliche Ferne. Plötzlich ging ein heftiger Ruck durch ihren Körper. Mit einer einzigen blitzschnellen Bewegung flogen die Seidentücher nach beiden Seiten auseinander und sie stand in einem edelsteinbesetzten, phantastisch anzuschauenden Kostüm, das ihre Haut fest umschloß, da. Sie war gut geformt, von einer leichten Üppigkeit, die sehr gut zu ihr paßte. Die exotische Hautfarbe ihres schönen und makellosen Körpers war bronzeartig, mit einem Hauch ins Olivenfarbene. Martin fühlte sich um 2.000 Jahre zurückversetzt. Es war ein heiliger Tanz, der jetzt vor seinen Augen stattfand. Ein Tanz einer Salome. Etwa so, wie jene berühmte Salome vor Herodes getanzt hatte, so wie eine Herodias, durch den erotischen Tanz erregt, das Haupt des Täufers herunterschlagen ließ durch den König, der seiner Sinne nicht mehr mächtig war. So faszinierte die außerirdische Tänzerin den Erdengast. MUMTASEE sollte ja bei diesem Tanz unter einer höheren Macht stehen. Dieser Tanz war gleich dem indischen "Indra Natch", diesem heiligsten Tanz für den indischen Nationalgott. Diese Tänzerin tanzte nicht für die Zuschauer, nicht für den irdischen Gast, sondern für den GROS- SEN GEIST aller Geister. Sie tanzte für ihren SCHÖPFER. Und alle Anwesenden durften aus reiner Gnade daran teilnehmen. Alle Muskeln am Körper der Tänzerin zitterten. Ihr Körper geriet in Zuckungen und ihr Kopf bog sich weit nach hinten. Unsichtbare, machtvolle Arme schienen sie zu halten. Martin traute seinen Augen nicht, denn was er sah, stand gegen alle physikalischen Gesetze der Schwerkraft. Die Tänzerin begann zu levitieren! Sie begann sich schwebend in die Luft zu erheben! Es war Martin, als ob ein unsichtbarer Akteur sie an sich zu reißen schien, um ihr das Blut aus den Lip- pen zu küssen. Sie wehrte sich, aber sie war nicht stark genug. Der Sinnesrausch des zeugungsreifen 3 Somnambul: Schlafwandlerisch, nachtwandelnd.

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